Norris Radio Rapwoche Ausgabe 3/ 11.03.2018

THEMA DER WOCHE:
Roc Marciano- Anti Streaming Initiative funktioniert ( https://djbooth.net/features/2018-03-06-roc-marciano-interview )
Die Veröffentlichung seiner musikalischen Werke über Streaming Dienste a la ITunes, amazon music und Co ist heutzutage allgegenwärtig. Im Netz wimmelt es von Anbietern, die jedes noch so kleine Release auf alle Plattformen stellen gegen Zahlung eines einmaligen Preises, einer Jahresgebühr, Prozentanteilen aus dem Veröffentlichungsgewinn oder gleich mehreren davon gleichzeitig. Die Angebote sind durchaus unterschiedlich und man sollte ein Minimumverständnis von Marketing und Produkteinschätzung haben um ein etwaiges Angebot für sich herauszufiltern. Häufig bleiben dann aber ernüchternde Zahlen zurück, wenn man sich anschaut wie häufig eigene Produkte gestreamt wurden und wie hoch die Auszahlungssumme des Anbieters ist. Prominentes Beispiel ist natürlich spotify, die für ihre Künstlerentlohnung seit Jahren in der Kritik stehen. Viele Künstler sind mehr oder weniger erfolgreich gegen diese Werteumverteilung vorgegangen. JayZ brachte seinen eigenen Streaming-Dienst, der bis heute nur die Wenigsten hinter dem Ofen hervorlockt und das bei Jemanden, der aus jeder wacken Kacke einen großen Goldklumpen formt.
Nun allerdings hat der US Untergrund Rapper “ Roc Marciano“ einfach mal gediegen auf diese Formel geschissen und sein aktuelles Release “ RR2-The Bitter dose“ für knapp einen Monat nur auf seiner Homepage vertrieben. Der geneigte Zuhörer konnte sein Album exclusiv für 30 $ erwerben und bekam dafür im ersten Monat lediglich die mp3 Version des Albums. Mittlerweile bekommt man auf der Homepage die Vinyl oder die CD für denselben Preis und das Album ist im normalen Streaming-Dienst hörbar( ITunes etc.)! Das Interessante an der Strategie ist( wie im oben erwähnten Artikel zu sehen), dass Marciano nur wenige Stunden nach Veröffentlichung seines Albums auf seiner Homepage die “ Gewinnzone“ erreichte und sämtliche Kosten heraushatte, was anderen Künstlern, gerade mit diesem Bekanntheitsgrad nicht immer gelingen will.
Marciano appelierte quasi mit umgekehrten “ Crowdfunding“ an seine echten Fans und wurde dafür mit Lob überschüttet. Tausende Statements a la “ endlich jemand, der seiner eigenen Musik wieder Wert gibt“ oder “ dies ist HipHop der ersten Klasse. Dafür ist kein Cent zu viel verlangt!“ tauchten im Netz auf und gaben Marcianos Strategie mehr als Recht. Mit Veröffentlichung des physikalischen Releases und den weiteren Streaming-Diensten fährt Marciano also durchaus attraktiven Gewinn mit der Scheibe ein und dieses ist wiederrum mehr als bemerkenswert.
Natürlich braucht man für diese Strategie eine gestandene Fanbase und muß auf seine paar Tausend Follower setzen können. Als “ Newbie“ oder “ unbekannterer Artist“ sollte man diese Herangehensweise aus meiner Sicht in seine Gedanken einfliessen lassen und eine strategische Entscheidung treffen, ob das Ganze Sinn macht oder nicht. Auf jeden Fall hat mich Marciano mit dieser Vermarktung zum Nachdenken gebracht und Respekt für seinen Mut verdient.

EINGETROFFEN IN DER LETZTEN WOCHE:
Looptroop Rockers, Motivation music( https://www.youtube.com/watch?v=4VHQ1V-9zHk – Loose after midnight ft. Timbuktu( Official Video)
Letzte Woche berichtete ich über das Looptroop Konzert in Münster. Diesbezüglich veröffentlichte die Crew wie auch Solomitglied Promoe eine weitere Scheibe damit die Jungs sich passende 25 Releases auf die Fahne schreiben können. Einer meiner mitgereisten Homies erwarb das Looptroop Album auf Vinyl, was auf der Tour mit 20 Eus für 9 Tracks schon recht teuer zuschlug. Aber in gewisser Hinsicht lohnt sich das schon.
Zugegebermaßen habe ich auf die mp3 Version des Albums gewartet und diese dann wenige Tage nach dem Konzert erhalten und gehört. Looptroop liefern auf ihren 9 Tracks boombappigen Sound, der eine gewisse Livetauglichkeit mit sich bringt, allerdings auch typisch für die Schweden auf thematisch runde Inhalte basiert. Auffällig ist, dass der enorm freundliche Sound der letzten Releases durchaus gewichen ist und die Crew wieder verstärkt auf drückende Elemente setzt. Dies geschieht mit Sicherheit ein Stück weit kalkuliert aufgrund der aktuellen Tour und dem generellen Hang, Looptroop Konzerte zu feiern aber den Jungs steht diese Form der Musik durchaus und auch entspanntere Tunes und Elemente gibt es in den 9 Tracks zu hören. Die Jungs flowen gewohnt lässig auf den Beats und einziger Kritikpunkt ist höchstens, dass so ein bisschen die Embee-Produktionsmittel aus früheren Tagen verloren gehen…anders gesagt: Die Beats wirken weniger eigen und etwas austauschbarer als auf den meisten anderen Releases der Crew. Davon ab bekommt man aber 9 durchaus lässige Tracks, kein bis kaum Skipmaterial und auch ne gewisse Livetauglichkeit. 15 Euro wäre die Vinyl allemal wert!

DJ Obsolete, The mandela effect( https://www.youtube.com/watch?v=8f75i0bzeFQ – Full Album)
Der Kölner DJ und Produzent Obsolete veröffentlichte kürzlich sein erstes Soloalbum “ The mandela effect“ auf Vinyl, Tape und digital und dürfte vor allem Freunden des klassischen Boombap sehr zu gefallen wissen. Auf 20 Tracks gibt es in erster Linie Beats zu hören, die sich nahtlos in die große Reihe deutscher Neo-Boombap-Producer einreihen kann ohne dabei zu langweilig zu werden. Die Beats sind nahezu alle gut ausproduziert und geben, mal mehr und mal weniger, einen gewissen Push der auch schon Mal zum Mitsabbeln einlädt. Neben entspannt groovigen Beats aus einem Guß kommen dann auch die Trackfeatures um die Ecke. Mit dem talentierten Blabbermouth entstand die vermutlich beste Nummer der Platte in Form von “ Chasin it“. Ansonsten gibt es Leute zu hören wie Nomadic, Warpath oder Da Dysfunkshunal Familee die zumindest im Untergrundrapbereich den Einen oder Anderen ansprechen könnten bzw. bekannt sein dürften. Alle liefern prinzipiell ganz ordentliche Beiträge und fügen sich ebenso passend in das Gesamtwerk ein.
Wenn ich ehrlich bin, kann ich zwar die guten Ansätze der Scheibe erkennen und würdigen, bin aber ein Stück weit über diese Art von HipHop hinaus so dass derartige Alben keine erhöhten Durchläufe bekommen. Zu oft hat man änliches gehört welches ebenso handwerklich gut gemacht war. Zu wenige “ WOW“ Effekte lassen einen aufhorchen und man kann schon irgendwo sagen, dass diese Art von HipHop eine Art “ Fahrstuhlmusik“ darstellt und viele vermuten( ich als neutraler Beobachter natürlich nicht), dass solche Alben in erster Linie bei +30ern laufen, die unkritisch und etwas hängengeblieben ihren Lebensabend neben der Bong und Netflix mit HipHop anreichern.

Royce da 5’9 & DJ Premier, PRhyme2( https://www.youtube.com/watch?v=0rkprvDvCB0 – Rock it( Official Video)
Über DJ Premier und Royce da 5`9 muss man jetzt nicht viel Einleitendes schreiben. Die Beiden dürften jedem Mensch, der sich ein bisschen mit HipHop beschäftigt, ein Begriff sein. Bereits vor 2.5 Jahren taten sich das Boombap-Producerurgestein und der Detroiter Rapper nach einigen sehr gelungenen Kollabos für diverse Royce da 5`9 Soloalben zusammen und veröffentlichten PRhyme…eine Ep oder MiniAlbum, welche die Stilrichtungen beider Künstler ein Stück weit verbindete. Es war melodiöser als man es von Premier gewohnt war und dennoch boombappiger als die meisten Beats die man von Royce da 5`9 gewohnt war. Grund dafür waren die Samplebibliotheken vom Produzent Adrian Younge, der seine Samples spendierte die Primo dann unter seine Drumloops packte. Das Ganze ergab einen homogenen passenden Mix, der damals den Rückschluss ließ: sehr gut aber noch lange nicht am Zenit. Ein “ größeres“ komplettes Album mit Leitfaden und gewissen Zusammenhängen wurde gewünscht und nun liefern die Beiden uns das entsprechende Ergebnis mit PRhyme2.
15 Tracks + 2 Interludes ergeben in diesem Fall 53min Spielzeit und damit können wir schon Mal gut leben. Was in diesen 17 Tracks passiert, ist mir allerdings auch nach mehrmaligen Durchhören nicht wirklich klar. Das Album ist punktuell wirklich nicht schlecht denn Royce da 5’9 flowt in vielen Passagen sehr gut wie man es von ihm gewohnt ist. Dennoch hat man als Zuhörer permanent das Gefühl, dass das Alles unter den ( hohen) Erwartungen liegt. Die Beats sind nur teilweise spektakulär oder mitreißend…die Features fallen, mit Ausnahme von Yelawolf auf W.O.W, alle ab( auch Roc Marciano) und nach dem ordentlichen Mittelteil ist der Schlußteil der Scheibe wirklich kommerzig und teilweise einfach nur billig gestaltet. “ Made man“ ist zum Beispiel einfach nur ein ekelhafter Song den man sich kaum schönreden kann.
Premier Alben haben seit Jahren keinen abnormal großen Wiederholungswert mehr, Royce Alben in der Regel schon und deswegen werde ich mich auch hier mit meinem harten Ersturteil nicht zufrieden geben und mich bemühen, weitere Stärken ausfindig zu machen. Royce flowt extrem dope, seine Vergleiche sind ziemlich amüsant aber das reicht nicht für ein gutes Album. Hab hier Top10 Material erwartet und zum jetzigen Zeitpunkt höchstens Top100 Material zur Hand. Das ist schon eher enttäuschend für den Moment.

Gavlyn & DJ Hoppa, Headspace( https://www.youtube.com/watch?v=5YehL2wmFj4 – Headspace Titeltrack)
Die letzte Woche stand bei Norris-Radio ganz im Zeichen der Frauen( siehe unten) und passenderweise trudelte am Tag meiner Aufzeichnung das Album von Gavlyn & DJ Hoppa mit demn Titel “ Headspace“ bei mir ein. Ein kurzer Hördurchgang gefolgt von einem Ausgeprägten ließen mich auch dieses Album noch mit in die Liste aufnehmen.
Headspace ist nach “ Why wait“ aus dem Jahr 2016 bereits das zweite Projekt von Gavlyn und DJ Hoppa und es setzt nahtlos an dem Erstling an. In 10 smoothen Tracks rappt Gavlyn extrem relaxed einfach drauf los, behandelt alltägliche Themen und führt diese äusserst bildhaft auf groovigen Beats durch die genug Raum zur Entfaltung lassen, was man im “ Mixing“ hört welches ebenfalls durchaus gelungen scheint. Was hier absolut fehlt, sind Ecken und Kanten. So entspannt die Scheibe daherkommt, spätestens im zweiten Teil nach dem ordentlichen Titeltrack schlafen einem die Füsse ein und man sucht vergeblich nach Tempo und Ausreißern. Natürlich ist es völlig in Ordnung, dass die Beiden diese Art der Musik nicht bedienen wollen und hier einfach eine saubere Rapscheibe abliefern aber wir haben 2018, Boombap kann wieder spannend sein und moderne Einflüsse, sowohl beattechnisch wie auch im Textaufbau, sind nicht immer schädlich. Auch dieses Album nutzt sich dadurch extrem schnell ab und wird nicht über die 2-3 Anspielstationen hinauswachsen und im großen “ Sumpf“ untergehen. Da bin ich mir fast sicher und bei der damaligen Vorstellung und Erstvermarktung von Gavlyn, auch ein Stück weit ernüchtert über ihren weiteren Karriereverlauf.

– WEITERES + BLICK IN DIE ZUKUNFT:
Norris-Radio On Demand Female Special( https://www.mixcloud.com/SkinnyNorris/norris-radio-on-demand-female-special/ ):
Wie oben bereits erwähnt stand bei Norris-Radio letzte Woche alles im Zeichen von Female-Rap und dementsprechend wurde am vergangenen Sonntag das erste Norris Radio On Demand-Female Special veröffentlicht. 16 Tracks, die so illustre Damen wie Rah Digga, Lauryn Hill, Eve und Foxy Brown aber auch jüngere, unbekanntere Damen wie Invincible, Sa-Roc, Lyric Jones & Dynasty in einer Sendung vereint.
Die Idee zu diesem Special fand ich naheliegend. Zum Einen suche ich prinzipiell immer nach guten Ideen für “ Norris Radio On Demand“, zum Zweiten ist die gute Dynasty derzeit als Begleitact von The Doppelgangaz in Deutschland, zum Dritten hat Gavlyn ne neue Scheibe draußen und zum Vierten war kürzlich Weltfrauentag, was aber eher Randnotiz bleiben soll.
Tatsächlich bin ich mit diesem Special derart zufrieden, dass ich, änlich wie beim “ UK Grime Special“ einen zweiten Teil noch in diesem Jahr angehen werde. Es war ein Leichtes, die Trackliste zusammenstellen und deswegen nochmals mein “ Chapeau“ an alle Rapperinnen weltweit.

Back to the 90’s Jam @ Hamburg Stellwerk( http://www.stellwerk-hamburg.de/termine_aktuell/2018_05_03_hamburg_kultur_snowgoons-pres-bringbackthe90stour-featnineeldasenseiedo_.html?menuezeile=47 )
Die beiden Snowgoons DJ’`s Crypt & Illegal laden alle Kopfnicker ein zur “ Bring back the 90’s Tour“ durch verschiedene Städte Europas. Zum Tourauftakt lädt am Donnerstag 03.05.2017 ab 19:30 das Stellwerk in Hamburg die norddeutschen Kopfnicker ein. Neben den beiden DJ’s gibt es noch das Bostoner Rapurgestein Edo.G, den New Yorker Hardcorerapper Nine und die Artifacts Legende El da Sensei am Mikrofon dazu. Das Ganze dürfte also US Rapfans mit einem Hang zum Oldschool-NewYork Flavour interessieren und ein Stück weit begeistern. Über die Livefähigkeiten von Edo G und El da Sensei konnte ich mich, doch eher im Positiven, bereits in der Vergangenheit überzeugen…die Snowgoons DJ`s liefern auch immer solide Arbeit und Nine hat zwar in den letzten Jahren keine überkrassen Alben veröfentlicht, hockt aber auf einem netten alten Arsch voll guter Musik und könnte sich damit gut in die Reihe platzieren. Mit 17 Eus im Vorverkauf und nem glatten Twanni an der Ak bekommt man bestimmt 3 STunden Livemusik zu einem äusserst fairen Preis geboten. Norris-Radio empfiehlt, diesen Termin Anfang Mai im Hinterkopf zu behalten.

* BIS ZUM NÄCHSTEN MAL. THEMENVORSCHLÄGE, FEEDBACK UND KRITIK NEHME ICH GERNE ENTGEGEN. NUTZT DAFÜR BITTE: skinnynorris84@gmail.com oder www.facebook.com/NorrisRadio

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