REZENSIONEN

Loop & Bartman, Rotz & Arroganz

Sogenannter Neo-Boombap erfreut sich seit Jahren an einer wiederwachsenden Beliebtheit was aus meiner Sicht daran liegen könnte, dass die heutigen Interpreten sowohl technisch als auch lyrisch den 90iger Interpreten den Rang ablaufen ( können), dabei beatstilistisch aber der alten Schule treu bleiben und diese Beats lediglich im Rahmen ihrer “ Qualität“ modernisieren, nicht im grundsätzlichen Stil.
Der Releaseumfang von “ traditionellen Boombap Scheiben“ ist in den letzten Jahren wieder enorm gestiegen und die Künstler müssen etwas besonderes bieten um nicht in der “ Langeweile“ oder “ Marktüberreizung“ zu versinken. Das Release der beiden Bremer “ Rotz & Arroganz“ hebt sich schon auf den ersten Klängen aus besagter Einöde hervor und verdient definitiv einen zweiten-, dritten- und weitere Hördurchgänge, um direkt mal eine Art Fazit vorwegzunehmen.
Auf 7 Tracks + einem Skit und 25 Minuten Spielzeit hört man 2 lockere Dudes, die häufig gewisse Messages mit einem kleinen “ Augenzwinkern“ vermitteln und sich ohrenhörlich nicht permanent „zu ernst nehmen“ ohne dabei aber albern zu werden. Die Beats sind sorgfältig gewählt und sorgen bereits für eine starke Ausgangsatmosphäre die rapstilistisch meistens genauso ausgefüllt wird. Ausnahme bildet da beattechnisch der “ Skit“ was aber nicht negativ auffällt, da dieser halt traditionell als Übergang dient.
Die Scheibe ist ein perfekter Snack für “ zwischendurch“. Man kann sie locker am Stück durchhören und wird dabei durchweg auf einer Genußebene bleiben…man fühlt sich weder unter- noch überfordert vom gesamten Arragement und mit “ Dejavu“, der auch als Video zu begutachten ist( https://www.youtube.com/watch?v=Ltfe8Dx82y4 ) sowie dem pushenden “ Slackattack“ gibt es auch noch 2 unmittelbare Anspieltipps von mir.

8,0/ 10 Snotch Points

Album ordern unter: rotzundarroganz.bandcamp.com
Norris-Radio Sendung mit Rotz & Arroganz: https://www.mixcloud.com/SkinnyNorris/norris-radio-live-10072018-mit-rotz-arroganz/

Cappadonna, Ear candy

Es gibt so Tage an denen man Alben hört bei denen man es verflucht, sich selbst zum Rezensist ernannt zu haben der solche Alben hört und diese dann bewertet. Doch dann fällt mir wieder ein, dass ich mir hier ja selber die Alben aussuche, die ich bewerte und an gehässigen viel zu heißen Tagen gerne mal einen Verriß schreibe um meine böse Seite dann doch schlußendlich ganz harmlos auf die Tastatur einhämmern zu können.
Wu-Tang Sidekick Cappadonna veröffentlichte vor wenigen Tagen sein neustes Album “ Ear candy“, welches sich wohl am passendsten mit “ Ohrenschmaus“ übersetzen lässt, obwohl einen die freie Übersetzung “ Süßigkeiten für das Ohr“ irgendwie nicht loslässt…verdorbene, das Haltbarkeitsdatum längst überschrittene, abgeranzte Süßigkeiten, die man selbst dem lautesten Köter der Stadt nicht als “ Einschlafhilfe“ zumuten möchte.
Auf seinem eigens gegründeten Label “ God Love Family Entertainment“ droppt Cappa 15 Tracks, auf denen er seinen Sohn D Hill Jr, Mike Noble, Killa Black, Rollo, Suga Khane, Kelso und Ratchet featured…kennt niemand? Ich auch nicht, braucht auch niemand. Die Produktion stammen von von Rollo Beats & others…wer zum Teufel sind Rollo Beats und was macht sie so bekannt, dass die restlichen Produzenten kurz mit “ others“ abgekürzt werden? Das sind schon allerhand Fragen vor dem ersten Hördurchgang und aus Erfahrung weiß man leider, dass Wu-Tang( Affiliates), die Alben ohne weitere Unterstützung vom Clan veröffentlichen, damit meistens komplett in die Grütze hauen, was jetzt weniger positiv gemeint ist. U-God, Raekwon und auch Ghost & Meth haben ihre “ Banger“ dann doch mit Unterstützung gebracht und lang scheint es her, dass sich Cappadonna mit “ The Pillage“ nahtlos in diese Riege einordnen ließ. Danach wurde es merklich schwächer von Album zu Album und die “ Schwäche“ erreicht auf “ Ear candy“ wirklich ein heftiges Zenit.
Auf 15 Tracks rumpelnd Cappadonna gewohnt vor sich her, was zum Einen Geschmackssache ist, da diese Art von Rapstil in der Vergangenheit durchaus funktioniert hat, auf der anderen Seite aber wegen fehlender Entwicklung auch einfach unflowig, steif und hängengeblieben wirkt. Da die Features aber mit austauschbaren Stimmen, Lyrics und Arangements daherkommen und Cappadonna als Hauptprotagonist auf diesen Tracks immer heraussticht, was ja anpfirsich gut ist aber halt an die Geschichte vom Einäugigen unter den Blinden erinnert, ist die Sache mit dem “ Rap“ nicht das wirkliche Problem des Albums. Das Problem sind die Beats, die vom ersten Moment an den Begriff “ Album“ eigentlich nicht erlauben. Unterproduzierte Drums, uralte verstaubte Samples und wechselnde mixtapeartige Qualitäten bringen das, ohnehin schon geringe Hörerlebnis, auf einen grandiosen Tiefpunkt. Es ist schlichtweg grausam, dem Ganzen zuzuhören und man skippt sich in Höchstgeschwindigkeit durch die Songs aus denen nichts heraussticht und kein Ansatz nach “ oben“ zu erkennen ist.
Als Fazit bleibt zu sagen, dass dieses Album wirklich nichtmal einen “ illegalen “ Download wert ist. Wer irgendeine Art von “ Wu-Tang Sound“ erwartet, wird genauso bitterlich enttäuscht wie alle, die irgendeine Art von guten “ HipHop“ erwarten. Das Jahr 2018 bleibt, bis auf Ausnahmen, weiterhin eher enttäuschend und releastechnisch unter seinen Möglichkeiten was sich nach dem Sommerloch hoffentlich wieder ändert. Dieses Album gehört definitiv in keine Anlage sondern auf den Sondermüll. Chance verspielt und “ God Love Family Entertainment“ braucht mir jetzt nicht mit Releases der anderen Dödel kommen, denn die werden gekonnt ignoriert. Hoffen wir auf das angekündigte Wu-Tang Album.

2,0/ 10 SNOTCH POINTS

Wiley, Godfather 2

Erwartungen sind seit jeher eine Sache für sich. Hat man “ keine“, wird man selten enttäuscht und freut sich über positive Überraschungen. Hat man “ hohe“, ist der schmale Grad zur Enttäuschung nah. Als “ vermutlich“ neutraler Rezensionist, der wie jeder Mensch natürlich eine gewisse musikalische Vorliebe hat, würde ich in diesem Fall weder von hohen noch geringen Erwartungen sprechen, aber von “ gewissen“. Aus diesem Grund ist, um es gleich vorweg zu nehmen, hier eine große Enttäuschung vorhanden die mich fast schon kopfschüttelnd zurücklässt…aber der Reihe nach:
Letztes Jahr im Januar veröffentlichte Wiley mit Godfather das Norris Radio Album des Jahres 2017. Ruffe knackige Produktionen und die Mischung aus Lässigkeit und Power im Rap haben das Album, entgegen vieler Erwartungen, in der Grime Szene weit nach oben gebracht. Wiley selbst kündigte an, dass Godfather sein letztes Album sein wird und er einen gebührenden Abschluss hinlegen wollte was ihm absolut gelungen war. Relativ schnell nach dem Release verkündete Wiley den Rücktritt vom Rücktritt und kündigte Godfather 2 an…in erster Instanz für Januar 2018 und mit dem Ziel, den Vorgänger zu überbieten.
Nach und nach kamen erste Vorabtracks wie “ I call the shots“( feat. Jme) die extrem viel Laune machten und einen starken Nachfolger erwarten ließen. Zu letzt erschienen mit „Been a while“, „Remember me“ und dem starken „Bar“ drei weitere Tracks, die die Vorfreude aus meiner Sicht in die Höhe wuchsen ließen. Allerdings wurde das Album, zu dem bereits eine 20-Track umfassende Trackliste im Netz herumschwirrte, immer wieder verschoben…bis es nun am 26.04 urplötzlich erschien.
Allerdings wurden aus den 20 Tracks urplötzlich 12. Es startet mit dem “ Merkers Intro“ welches unfassbar reinballert aber auch nur ganze 56 Sekunden andauert. Der Beat hat sich gerade bombig entfaltet, dann ist es vorbei..hmm, denkt sich der Mann und freut sich zunächst über die 4 bekannten oben erwähnten Tracks am Stück…man ist drin und freut sich auf die letzten 7 Songs, die man halt noch nicht kennt und was passiert? Das Album switcht urplötzlich von Grime auf eine trappige rnb-angehauchte Mischung aus Pop und was weiß ich…diese modernen Begriffe sind mir zuwider und unbekannt. Auf jeden Fall bekommt man 7 Tracks, die durchschnittlichen Gesang und genau die Einflüsse in den Beats widerspiegeln, die der Grime-Musik geschadet und fast den Zahn gezogen hätten. Es ist für mich nicht verständlich warum dieser Weg gewählt wurde. Ein Abschlusstrack in dem Stil wäre absolut okay gewesen aber ansonsten muß man sich schlichtweg kein Wiley Album kaufen, wenn man so eine Art von Musik( auch durchaus spektakulärer und ohrwurmlastiger umgesetzt) mag, dann sollten andere Künstler weiterhin bevorzugt werden.
Ich bin mir sicher, dass Wiley für diese Scheibe seine Quittung in der Szene erhalten wird. Schon jetzt bewegen sich erste Bewertungen auf meinem Niveau und ich denke, der Langzeiteffekt wird das nicht verbessern. Ich möchte hier noch nicht von einer absoluten Enttäuschung reden aber alles nach Track 5 ist schlichtweg nicht akzeptabel und damit schade. Einen Nachfolger auf den Titel “ Album of the Year 2018″ haben wir hier bei Weitem nicht, vielleicht ein Album im Bereich 80-100 aber nicht mehr.

6,0/10 SNOTCH POINTS

Norris-Radio Rapwoche Ausgabe 1/ 24.02.2018

Bereits jetzt im späten Februar entwickelt sich das HipHopJahr 2018 sehr stark, zumindest was die Releases aus dem United Kingdom und den Staaten anbelangt. Bereits im Januar veröffentlichten Planet Asia mit “ The golden buddha“, Evidence mit “ Weather or not“ und die Jamo Gang rund um Ras Kass mit “ Jamo Gang Ep“ ziemlich gute Scheiben. Den frühen Februar gestalteten dann Skyzoo mit dem überraschend starken “ In celebration of us“ und die Foreign Beggars mit “ 2 2 Karma“.
Inspiriert von der großen Veröffentlichungswelle in der letzten Woche lest ihr nun die erste Ausgabe der “ Norris-Radio Rapwoche“. Neben einem Hauptthema werde ich immer auf die Alben & Ep`s eingehen, die in der letzten Woche bei Norris-Radio eingetroffen sind( und diese mit Hörproben als youtube Links aufbereiten) und eine kleine Preview starten auf anstehende Releases, Konzerte oder geplante Veröffentlichungen auch von Norris-Radio( Sendungen etc). Zunächst wird dieses neue Format wöchentlich( bis spät. Sonntag Abend) hier zum Lesen erscheinen. Eine Art “ Podcast“ zu diesem Format ist ebenfalls geplant und Feedback eurerseits natürlich mehr als gewünscht( skinnynorris84@gmail.com)

THEMA DER WOCHE:

In der vergangenen Woche ist mit Dude26( bürg. Georg Ziegler) ein deutscher Untergrundrapper friedlich nach langen Kampf gegen eine Krankheit von uns gegangen. Die Nachricht wurde auf dem Facebookprofil des Duos „Dude & Phaeb“ veröffentlicht. Der „Daily Concept Rapper“ veröffentlichte seit 2011 mehrere Soloalben wie auch Duoalben und Instrumentalscheiben. Norris Radio wünscht Familie & Freunden alles Gute und viel Kraft in dieser schweren Zeit und möchte auch seine musikalische Ehre erweisen ( https://www.youtube.com/watch?v=xGxg-nm8hdE )
Bereits seit einigen Wochen arbeitet Norris-Radio bereits an dem sogenannten “ Dead Man Walking Special“, welches durch die neue Nachricht natürlich eine leichte dramaturgische Wendung nimmt. In dieser Ausgabe von “ Norris Radio On Demand“ wird verschiedenen verstorbenen Rappern die Ehre erwiesen und in knapp 70 Minuten Musik von Ihnen gedroppt. Dadurch ist eine sehr abwechslungsreiche Mischung entstanden mit Songs von “ Sean Price, Prodigy of Mobb Deep, Big L, Tupac, Nate Doog, Proof, Heavy D, Big Punisher, Notorius BIG, Lost Boyz, Slim Dunkin und natürlich auch Dude26. Die Ausgabe erscheint am morgigen Montag( 26.02) auf www.mixcloud.com/SkinnyNorris

EINGETROFFEN IN DER LETZTEN WOCHE:

Jericho Jackson, Khrysis & Elzhi are Jericho Jackson( https://www.youtube.com/watch?v=af1NPaEQU3s – Full Album):
Als ich vom Zusammenschluß von Khrysis und Elzhi gehört habe, war ich auf das gemeinsame Ergebnis sehr neugierig. Khrysis, der schon vor mehr als 10 Jahren in Justice-League Zeiten neben 9th Wonder für mich immer der “ interessantere Producer“ war da seine Beats aus meiner Sicht knackiger, lebendiger und langzeitiger waren als die seines “ bekannteren“ Kollegen trifft hier auf Elzhi, einen unbestreitbar sehr starken MC der viel über seine Lyrik und seinen sauberen Flow geht, teilweise aber dann doch sehr “ schwierige“ Beats pickt, die irgendwo öde und zeitgleich doch sehr passend für ihn und seine Stimmenentfaltung wirken. So entwickeln sich Elzhi-Alben immer mehr zu “ Growern“, die man erst nach einigen Anspielstationen zu schätzen weiß, zumindest empfand ich das bei seinem letzten Soloalbum “ Lead poison“ so. Stimme, Lyrik und Sauberkeit sorgten aber wiederrum dafür, dass man gerne mal über die langweiligen Beats hinwegsieht und sich immer wieder der Scheibe hingibt.
Ob das in diesem Fall änlich wird, kann ich nach zweimaligen Hören wirklich noch nicht sagen. Zunächst ein Mal bin ich “ ernüchtert“. Die Beats von Khrysis lassen die alte “ Knackigkeit“ vermissen und wirken “ angepasst“, was aber wie gesagt für “ Wachstum“ sorgen kann. Elzhi erfindet sich dementsprechend nicht neu und setzt auf altbekannte Stärken. Im Moment würde ich nicht von einer Enttäuschung reden, definitiv aber auch nicht von einem Highlight.

Black Milk, Fever( https://www.youtube.com/watch?v=F54oqSz7aSE&list=PLcxdst6awVjyS-_zo0fekoz3l1G3Uqgmj -Full Album):
3.5 Jahre ist es schon wieder her seit dem letzten wirklichen Soloalbum des Detroiter Selfmade-Man “ Producer & Rapper“ Black Milk mit dem Titel “ Glitches in the break“. Der, zunächst unterschätzte, Black Milk, der über die Jahre dem klassischen “ Detroiter-MPC“ Sound auf Spuren von Dilla & Co hinter sich gelassen und mit der “ Nat Turner Band“ eine deutlich, instrumentalbasiertere analogere Arbeitsweise bevorzugte, hat spätestens mit diesem Album seinen Neuanfang vollzogen. Black Milk zeigt, wie gereift er und dieses Album ist. Es steckt gefühlt jede Menge “ Liebe“ in den Beats und es zieht sich der o.e instrumentalbasierte Faden durch natürlich angereichert durch typische Synthies und Spielereien, die sofort erkennen lassen, dass es sich hier um einen “ Black Milk Beat“ handelt. Dazu hat sich auch sein Rap wieder ein gutes Stück entwickelt. Natürlich war Black nie der begnadeste Rapper unter der Sonne was sich durch die neue Art der Instrumentals aber deutlich besser kaschieren lässt als bei “ Boombap Brettern“. Sein Flow ist sauber und gut verständlich, seine Lyrik weiterhin größtenteils eher simpel gehalten. Das sorgt für einige Schmunzler, die aber deutlich mehr gewollt sind von Black als bei früheren Releases. Dieses Album ist rundum gelungen und wird es dennoch schwierig haben, im Gesamtum zu bestehen. Darauf würde ich fast meinen kleinen Notch verwetten!

Ocean Wisdom, Wizville( https://www.youtube.com/watch?v=35tfgf5-M6k – Revvin( feat Dizzee Rascal):
Wo “ High Focus“ draufsteht, da ist Qualität drin. Das wissen die Fans des UK Label nun schon seit mehr als 10 Jahren zu schätzen und es werden weltweit immer mehr, die langsam dahinterkommen was hier in Europa und vor allem natürlich in London passiert. So kollaborieren diverse US Untergrund Acts schon seit Jahren mit den UK Dudes von “ High Focus“ auf diversen Alben. Wem Namen wie “ Fliptrix, Leaf Dog, Bva, Verb T, Dabbla, Dirty Dike, Illinformed etc pp“ nichts sagen, do ya homework and listen to this stuff…am besten gleich ne ganze Woche lang, denn solange braucht man für die Flut an guten Releases. Kommen wir nun zum zweiten Album von “ Ocean Wisdom“, dem vielleicht begnadesten Rapper auf dem Label aller Zeiten. Nach seinem Debut “ Chaos 93″ welches, auch in Folge seiner starken Liveshows, eine große Aufmerksamkeit nach sich zog, konnte sich Ocean für sein zweites Album die Features nahezu “ aussuchen“. Wie auch schon beim Vorgänger ergibt sich dadurch ein sehr interessanter Mix. Method Man, Dizzee Rascal, P-Money, Jehst, Chester P und weitere reihen sich ein und versuchen tatsächlich, irgendwie mit dem Hauptprotagonisten mitzuhalten. OW spittet sich erneut die Lunge aus dem Hals ohne Rücksicht auf Verluste und vermischt auf diese Scheibe wohl noch gekonnter die UK Grime und UK HighFocus HipHop Elemente miteinander als auf dem Vorgänger. Dadurch ergibt sich schlichtweg ein Bombenalbum mit Bestwertung wo sich ein Banger nach dem Nächsten reiht und man über kleinere Luftpausen nahezu “ glücklich“ ist. In welchen Tracks man diese nun “ persönlich“ sieht, überlass ich euch. Mir gefällt nahezu jeder Track und hier schickt sich erneut jemand an um die diesjährige “ Album of the Year“ Krone mitzureden.

Apathy, The widows son( https://www.youtube.com/watch?v=pbdHKqV884c – The order( feat. DJ Premier)
Kurz vor, sagen wir mal, “ Redaktionsschluß“ bekam ich noch die Gelegenheit, ein Mal in das brandneue Apathy Album “ The widows son“ reinzuhören. Heutzutage sind Releasedates ja auch nur noch ne Frage vom “ Leak“. Dementsprechend hat auch Apathy reagiert und das Album einige Tage vorher, als geplant, zum Hören freigegeben. Und der erste Durchgang hat mich durchaus sprachlos gemacht. Apathy gehört schon lange zu meinen Favoriten. Mit “ It`s the bootlegg muthafuckas“ habe ich Ihn lieben gelernt und das ist nun auch schon wieder 12 oder 13 Jahre her. Seitdem gab es viele Releases, die meistens stark waren, hier und da zum Ende hin aber auch mal etwas “ Abwechslung“ vermissen ließen. Apathy schien den ursprünglichen “ Boombap Sound“ begraben zu wollen und einen etwas “ entspannteren“ Feierabendsound einläuten zu wollen, was aber auch in der Szene nur verhalten aufgenommen wurde. Auf “ The widows son“ kehrt Apathy nahezu brachial zum alten Soundbild zurück und das funktioniert in Zeiten, wo auch Boombaprapper verstärkt auf “ entspannte Soundbilder“ setzen, enorm gut. Wie auch bei Ocean Wisdom reiht sich einfach Banger an Banger und wird durch hervorragende Features wie MOP, Diabolic, Pharaohe Monch, Locksmith & Ryu“ ergänzt. Nimmt die Scheibe mal kurz Tempo raus, kommt es mit der nächsten Nummer wieder rein und somit bleibt einfach mal ein hervorragender Ersteindruck stehen. Der einzige Unterschied zu Ocean Wisdom könnte die “ Langzeitwirkung“ sein. Bei OW weiß ich, dass das Teil brennt und brennen bleibt…Apathy ist ein Rapper, der anfangs sehr heiß brennt und bei dem manchmal die Kerze erlischt nach mehrmaligen Hören. Das bleibt “ abzuwarten“.

– BLICK IN DIE ZUKUNFT:

Wiley, Godfather 2( https://www.youtube.com/watch?v=35kHEsAaG34 – I call the shots( feat JME)
Dubstepbasierter UK Grime erfreut sich seit Jahren zunehmer Beliebtheit. Auch bei mir zog diese Musik im letzten Jahr richtig an, weil mich die “ Entspanntheit und Traplastigkeit“ amerikanischer Releases teilweise genervt hat. So wurde Godfather zum 2017er “ Norris-Radio Album of the Year“ weil das Teil einfach Spaß macht und nach vorne geht. Genau dieses erwarte ich auch vom Nachfolger, nicht mehr und nicht weniger. Solange 17 der, dieses Mal ganzen, 21 Nummern nach vorne explodieren( wie auch schon die ersten beiden Vorabtracks) kann garnichts schiefgehen und Wiley dürfte auch dieses Jahr die Top10 garantiert sein. Ob es für eine Titelverteidigung reichen kann weiß ich hoffentlich schon ab der nächsten Woche. AKTUELLES RELEASE-DATE: 02.03.2018

The Doppelgangaz, Aaaaggghh( The Fajita Effect)( https://www.youtube.com/watch?v=oEvuT1fYBG0&feature=youtu.be )
Nicht nur der letztjährige Album of the Year Gewinner Wiley droppt ein neues Album sondern auch das zweitplatzierte Duo The Doppelgangaz, die das Ganze einfach mal in einem 15sek Video rausschmissen und gleich den ersten Vorabtrack mit hinzulegten, der aus meiner Sicht absolut fantastisch geworden ist. The Fajita Effect( siehe oben) ist wieder ein Stück nach vorne für die beiden Dudes Ep und Matter OV Fact…und die Beiden liefern schon seit Jahren immer wieder exzellente Arbeit. “ Dopp hopp“ war nicht nur ein grandioses Album, die Jungs sind damit auch in den nächsten Wochen wieder auf Deutschland-Tour ( https://www.songkick.com/artists/3080446-doppelgangaz) und werden auch deshalb an dieser Stelle erwähnt. Ich denke, uns erwartet hier ein weiteres Mal eine grandiose Scheibe. AKTUELLES RELEASE-DATE: UNBEKANNT

Looptroop “ Motivation Tour“ 03.03.2018 @ Skaters Palace Münster
Am kommenden Sonntag brechen Norris-Radio & Friends mal wieder gen Münster auf, wenn die schwedische Crew “ Looptroop“ ihr 25jähriges Bandjubiläum zum Besten gibt( http://www.looptrooprockers.com/tourdates/ ) ! Wer die Liveshows der Jungs kennt, der weiß, dass es sich dieses Mal ganz besonders lohnen müsste, denn zu so einem Anlass wird ein Mensch wie Promoe nicht einfach “ nichts besonderes“ machen. Wer die Liveshows nicht kennt, der ist sowieso schon lange überfällig. Neben Münster gibt es noch weitere Sichtmöglichkeiten in Hamburg, Hannover, Köln und dem merkwürdigen München…warum Münster besser als alles Andere ist, können wir gerne persönlich ausdiskutieren. Auf jeden Fall denke ich, dass ein Ausflug sich lohnt, mit etwas über 20Eus nicht zu teuer ist und hoffe, man sieht dich und auch dich!
* BIS ZUM NÄCHSTEN MAL. THEMENVORSCHLÄGE, FEEDBACK UND KRITIK NEHME ICH GERNE ENTGEGEN. NUTZT DAFÜR BITTE: skinnynorris84@gmail.com oder www.facebook.com/NorrisRadio

 

DAS RAPJAHR 2017

Ein weiteres Jahr neigt sich dem Ende und an dieser Stelle ist es mir wichtig, ein Mal das Norris-Radio Rapjahr 2017 zu beleuchten und Revue passieren zu lassen.
Wie ich bereits im Bericht “ Enttäuschungen des Jahres“( unter Rezensionen) geschrieben habe, bot 2017 jede Menge ordentliche gute Releases wobei aber die Wenigsten wirklich dermaßen begeisternd waren, dass diese nachhaltig im Gedächtnis bleiben müssen. In der ersten Jahreshälfte habe ich mich dem HipHop ein Stück weit entzogen und UK Grime dem Vorzug gegeben. Angeführt von Wiley, der im Januar mit “ Godfather“ ein grandioses Album veröffentlichte und dem großen Beef zwischen P-Money und Dot Rotten, der die Szene nachhaltig beschäftige, wurde qualitativer Output erzeugt und mein Interesse auch für die Historie der Musik geweckt und vergrößert. Dizzee Rascal konnte den Hype mit “ Raskit“ durchaus bestätigen…das beste “ Rascal“ Alben seit Ewigkeiten, wenn nicht sogar sein Stärkstes insgesamt.
Ansonsten waren die US Releases nicht wirklich spannend zu diesem Zeitraum. Alben wie Jay Z’s 4:44 oder Kendrick Lamars “ Damn“ wurden aus meiner Sicht überbewertet und auch der US Untergrund hat mir zu wenig spannendes Material gedroppt sondern sich, auf eher chilligen teilweise aussagelosen, Instrumentalgerüsten ausgeruht.
Mit dem Sommer und der Festival-Zeit wurde dann alles ein Stück zurückgerückt. Das Splash bot mir lineuptechnisch nichts und ich verzichtete auf einen zweiten Besuch. Das Out 4 Fame schien organisatorisch wieder Mal versagt zu haben, aber das zeitgleich laufende HipHopKemp lieferte ab! Wieder ein Mal kamen ein großer Schwung nichtgesehender Acts hinzu wie Rah Digga, Main Source, Kool G Rap, Jedi Mind Tricks oder einen Haufen deutscher Rapper wie Marz, Edgar Wasser & Morlock Dilemma, die auch das 2017er Kemp durchaus erinnerbar halten. Außerdem ist es einfach spannend, die Entwicklungen und Veränderungen des Festivals über die Jahre zu beobachten.

DER NEUNTE UND LETZTE BUCHSTABE IM NORRIS-RADIO WEIHNACHTSGEWINNSPIEL LAUTET “ S“ WIE SALAMANDERFÜSSE
In der zweiten Jahreshälfte erschienen dann spannendere Releases. Angeführt vom Wu-Tang Release “ The saga continues“ welches die hohen Erwartungen nur teilweise halten konnte, war es vor allem der US Untergrund, der nun wieder intensiver und erfrischender agierte. Blu & Exile, Madchild & Evidence wie auch Onyx & Dope DOD sind die ersten Beispiele, die mir dort einfallen. Auch natürlich die Omnipräsenz von Dudes wie Westside Gunn, Conway the Machine oder dem Dauerreleasedropper The God Fahim prägen den 2017er US Untergrundkern.
Norris-Radio konnte auch in 2017 einige schöne Dinge mitnehmen. Das Interview und der Kontakt mit “ Superior Productions“ fällt mir als Erstes ein. Dazu natürlich die verschiedenen Hostings bei den “ Raps, Beats & Pegel“ Jams, durch die ich auch meine Traumfrau kennenlernen dufte…dazu natürlich die Ideen und Teilumsetzung von “ Norris Radio on Demand“ und der Namensänderung der Livesendung von “ Norris FM“ zu “ Norris Radio Live“.
Auch in 2017 waren die Schritte klein, aber Spaß hat es gemacht und das ist und bleibt die Hauptsache. Das werden wir auch 2018 beibehalten. UND DAMIT WÜNSCHE ICH ALLEN FANS, SUPPORTERN, KRITIKERN, FREUNDEN & MITLESERN EINEN WUNDERBAREN JAHRESWECHSEL.

Enttäuschungen des Jahres 2017

Das Jahr 2017 bot in Sachen “ Releases“ jede Menge grundsolide Kost. Nur wenige Releases haben mich wirklich begeistert und genauso Wenige haben mich wirklich enttäuscht. Generell schade fand ich, dass es in diesem Jahr wenige erfolgreiche Versuche gab, Neues auf Albenlänge zu kreieren. Vieles wurde aus meiner Sicht verwaltet, was in Hinblick auf meinen Top100 Charts zu einem großem Feld an potenzielen Kandidaten für die PLätze 51-100 geführt hat. Bereits Mitte des Jahres hatte ich 50 passende Alben in dem Ordner und musste bis zum Ende des Jahres dann natürlich noch einiges sortieren was aber nicht immer ganz einfach war. Für diese Liste habe ich dennoch 10 Alben gefunden, die nicht in meiner Top100 Jahreschartshow auftauchen werden obwohl ich das erwartet hab, ergo “ Enttäuschungen des Jahres“. Die Alben müssen nicht Mal “ schlecht“ sein, lediglich unter den Erwartungen. Für Diskussionen bin ich natürlich gerne zu Haben. Los geht es:

10. Jehst, Billy Green is dead
Direkt das erste Beispiel eines Albums, welches mit Sicherheit alles andere als schlecht ist, dennoch aber nicht recht zünden wollte. Den UK Rapper Jehst habe ich 2016 beim HipHopKemp live erlebt und außerordentlich gefeiert. Bretternde Boombapbeats und eine energievolle Performance waren der Grund dazu. Da ich bis dato nur 1-2 Releases kannte, die mich jetzt auch nicht überzeugt haben, war ich auf das neue Album gespannt. Schlußendlich war ich dann doch überascht! Statt knackigen Boombap Beats gibt es eher experimentelle Instrumentals, teilweise sehr langsame oder gar drumlose Beats und die dazu passenden langsamen Flows. Die Scheibe startet mit einem guten “ Titeltrack“, der aber bereits zeigt, wohin es die nächsten 40 Minuten führt. In der Folge laden manche Samples schon zum Zuhören, manche Beats schon zum Kopfnicken und die Atmosphäre auch zum Wohlfühlen ein, aber irgendwo fehlt dann doch der letzte Schliff um dieses Album wirklich mehr als 3 Mal hören zu müssen.
9. Apollo Brown & Planet Asia, Anchovies
Hier ist es änlich wie bei “ Jehst“, nur etwas verzwickter. Bei der Kollabo “ Apolo Brown & Planet Asia“ hätten wir vor 2-3 Jahren einen garantierten Anwärter auf die Top10 meiner Jahrescharts gehabt. In 2017 sieht die Sache leider anders aus. Apollo Brown hat sein Producing von “ knackigen Drumloops“ teilweise auf komplett “ drumfreie“ Beats geändert und Planet Asia wollte auf diese Scheibe bewußt höchstens minimalistische Drumansätze in den Beats, da das “ gut“ zu ihm passen würde. Ich persönlich sehe das komplett anders! Apollo und PA brauchen die Drums für eine wirklich gute Scheibe. Planet Asia funktioniert mit seiner dunklen Stimme auf dunklen Beats besser als auf freundlichen einladenen Samplebeats. Auch hier ist mit Sicherheit keine “ schlechte“ Scheibe entstanden…einige Samples sind apollotechnisch wunderbar “ geflippt“, manche Verses PA-technisch herrlich on point aber auf der anderen Seite ist gefühlt die Hälfte der Samples bereits bekannt und man benötigt diese nicht noch Mal und manche Parts klingen reingequetscht, unsauber geflowt, einfach nicht passend. Hier wurde sehr viel Pottenzial vieleicht “ zu schnell“ verballert.
8. Tech N9ne, Strange reign
Alle Jahre wieder gibt es von Tech N9ne einen Strange Music Labelsampler, auf dem das gesamte Roster gefeatured wird. Mit etwas abfallendem Erfolg konnten die Alben in den letzten Jahren auch immer wieder die Norris-Radio Top100 erreichen. Bei “ Strange reign“ sieht das etwas anders aus. Mal wieder ist eine Scheibe mit Ü20 Tracks und Ü70min Spielzeit am Start auf der dieses Mal aber “ Banger“ oder “ spektakuläre Ansätze“ die Ausnahme bilden. Auf die Ces Cru ist auch in diesem Fall Verlass, ansonsten ist aber alles in diesem Jahr aus dem Strange Music Bereich zu poppig und anbiedernd geraten. Angefangen mit dem unsäglichen “ Go“ von Krizz Kalikko welches im letzten Jahr in dieser Liste an der Spitze stand, wurde es einfach zum Trend, dass die Alben mehr Gesang als Rap beinhalten und das ist teilweise zwar ganz schön, aber nicht immer und auf Dauer nicht das, was man bei so einem Release sucht. Hier ist einfach eine Art “ Reizüberflutung“ entstanden und ich denke, mal ein Jahr ohne derartiges Projekt und mehr Besinnung auf ursprüngliche musikalische Projekte täte Tech N9ne definitiv gut.
7. Ras Kass, Year end closeout
Ras Kass entwickelt sich zu einer Art “ Weihnachtsrapper“ der jedes Jahr in der kalten Zeit mit einem neuen Release um die Ecke kommt. In den vorangegangenen Jahren bescherrte und das SCheiben wie “ Breakfast at Banksys“ von Semi Hendrix oder das “ Soul on Ice2″ von Ras Kass solo. Auch 2017 lässt sich Ras nicht lumpen und veröffentlichte Anfang Dezember den “ Year end closeout“. Zunächst hielt ich die Scheibe nicht für ein traditionelles Album und es macht auch mehr den Charme einer sogenannten “ Street LP“ aus aber es sind immerhin 12 neue oder unreleaste Tracks von Ras Kass und Kollegen. Allerdings fängt mit dem Wort “ Kollegen“ schon das Problem an. Die Scheibe bringt ne Menge Features, die allesamt nichtssagend sind. Die guten Parts kommen auf jedem Track von Ras Kass und alleine das Warten auf den eigentlichen Hauptprotagonisten nervt irgendwann. Dann sind die Beats alle recht langweilig und austauschbar und es fehlt einfach der Kick. Mehr kann ich hierzu auch nicht sagen, ich war im Gesamtum ziemlich enttäuscht, sehe das Ganze aber auch nur als “ Throwback Tracks-LP“ ohne großen kommerziellen oder qualitätssuchenden Aspekt.
6. Retrogott, Hardcore
Bei dieser Scheibe habe ich lange überlebt, ob sie in diese Liste gehört und bin auch jetzt, wo ich mich entschieden hab, nicht ganz glücklich. Schließlich wurde “ Hardcore“ einfach so für lau gedroppt, was ja einfach mal ein cooler Move ist, den man kaum haten kann. Ich habe mich entschieden, diesen Aspekt aber außer Acht zu lassen und mich nur meinen Erwartungen in Relation zum Hörvergnügen widmen möchte und da lag hier doch eine große Schere auseinander. Als ich hörte, dass die Tracks einige Jahre alt seien, erwartete ich einfach mehr. Ich wollte änliche Sound wie auf den ersten beiden Huss & Hodn Alben, bekam aber deutlich angestaubteren und einfacheren Boombap, der mich wirklich wenig begeistern konnte. Die SCheibe wirkt halt “ sehr schnell fertigproduziert“, als wäre sie an einem Wochenende entstanden was wahrscheinlich sogar der Fall ist weil alles andere dann doch eher “ peinlich“ wäre. Naja, Hardcore-Kurt-Fans dürften auch mit Hardcore klarkommen…als neutraler Zuhörere bin ich hier aber eher zurückhaltend.
5. LMNO & Twiz the Beat Pro, Cohorts
Bei diesem Album war ich ein Stück weit schockiert. Twiz the Beat Pro hat vor einiger Zeit mit Big Twins ein Hammeralbum produziert welches überaschend stark daherkam. Auf besagten “ TnT“ kamen ruffe Beats mit einer ruffen Stimme zusammen und das Ganze ergab eine gute Symbiose. Nun hat der “ Beat Pro“ sich mit LMNO zusammengetan und alles, was auf “ TnT“ bestens funktioniert hat, geht hier in Langeweile unter. LMNO ist einfach superlangweilig..Ende und Aus. Die Beats sind größtenteils nicht das Problem, obwohl sie deutlich zurückhaltender und weniger atmosphärisch geraten sind als bei der Kollabo mit Big Twin…das Problem ist wirklich LMNO, der es ein weiteres Mal auf Albumlänge schafft, nahezu immer gleich zu klingen und das Gleiche zu erzählen…wie ein Rasco in “ größten“ Zeiten. Das Ganze wirkt umso lächerlicher, da die Beats durchaus spektakuläre Züge aufweisen, denen LMNO einfach an keiner Stelle gerecht wird. Der Mann hatte ein ganz gutes Debut, droppt seitdem aber nur noch monotones langweiliges Geblubber und hat hier sogar mehr als 10 Beats, über die ich 100 Rapper gerne gehört hätte, vom Markt gerissen. Leider misslungen!
4. Azad, NXLV
“ Leben 2″ war für mich keine Offenbarung. Zu oft kamen merkwürdige lyrische Abklatsche der Vergangenheit mit neumodernen Gewändern zusammen, was mich größtenteils dann eher kalt ließ. Leben 2 war aber kein schlechtes Album in dem Sinne, es traf nicht meinen Geschmack. Dieses Album hier ist mies und ginge es hier um die schlechtesten Alben des Jahres, wäre die Scheibe vermutlich noch 1-3 Plätze weiter vorne…da es aber um “ Enttäuschungen“ geht, was an “ Erwartungen“ geknüpft ist und ich bei NXLV jetzt nicht überragend viel erwartet habe, muß ich natürlich der Liste gerecht bleiben. Platz 4 ist somit mehr als verdient für diese gnadenlose Frechheit, die Azad uns hier vorsetzt. Wo er auf Leben 2 zumindest noch versucht hat, wieder guten ursprünglichen HipHop mit musikalischen Anätzen zu kombinieren, so rührt er auf NXLV einfach nur in der Trendsuppe und versucht Autotune und Trap-Beats für sich zu manifestieren…das gelingt natürlich kein Stück. Die singenden Features klingen genauso unbeholfen auf den modernen Beats wie er selber. Die meisten Songs ergeben wenig bis gar keinen Sinn und lyrischer wie auch musikalischer Tiefgang sind auf diesem Werk nicht vorhanden. Was soll man sagen? Ein Mal gehört und ab in die Tonne mit dem Mist.
3. Talib Kweli, Radio silence
Talib Kweli ist auch seit Jahren so eine Figur, bei der niemand weiß, “ was das eigentlich soll“. Da bringt er hier und da wirkliche Bangertracks doch der Großteil seiner Alben besteht aus politisch fragwürdiger Grütze mit wacken Beats. Nach einiger Zeit der Pause war ich dann aber doch etwas gespannt auf ein neues Talib Kweli Album, weil nach “ Gravitas“ einfach einiges möglich gewesen ist. Kweli hätte erkennen können, dass die hiphoppigeren Tracks viel mehr bei den Leuten “ ziehen“ und daran arbeiten können…dies hat er nicht und stattdessen hat er es sich wohl doch wieder “ leicht“ gemacht und ein poppiges Album mit zu vielen Features veröffentlicht. Einzig der Song mit Anderson.Paak hat wiederholendes Anspielpottenzial…der Rest ist völig austauschbar und teilweise einfach nur peinlich…die “ hohe fistelige“ Stimme von Kweli funktioniert halt auch nur in einem “ profesionellen Gewand“. Auf Lo-Fi Beats diese Stimme laut stellen ist umgekehrt das Falscheste, was man machen kann und hier getan hat. Radio silence bietet dadurch nahezu garnichts, denn die poppigen Beats werden teilweise durch merkwürdiges Mixing angereichert und so ergibt sich einfach nur eine “ überflüssige Scheibe“, die zurecht auf dem Podest steht.
2. Kendrick Lamar, DAMN
Schon verstanden, Kendrick ist einer dieser “ Larger than life“ Charaktere, die entgegen aller industriellen Gesetze ihre Albenpromo aufziehen können wie gewollt oder einfach mal gänzlich drauf verzichten und die Scheibe von heute auf morgen raushauen. Natürlich ist genau diese Art der gewollten “ Nichtinszenierung“ genauso insziniert wie “ die Normalität“ und manipuliert den Zuhörer dementsprechend erneut. Macht man sich persönlich von all diesem Quatsch frei und hört sich “ DAMN“ aus der Sicht eines neutralen Zuhörers an, der wird feststellen, dass es sich hierbei schlichtweg um ein schlechtes Album handelt. Im Gegensatz zu “ Good kid mad city“ fehlt soundtechnisch wie auch lyrisch eine Art “ roter Faden“…im Gegensatz zu “ To pimp a butterfly“ fehlen die Banger und Kontroversen…übrig bleibt Alltagsbrei, der auch von jedem Anderen hätte kommen können. Da bringt es auch wenig, mit Rihanna oder U2 unpassende Features auf die Scheibe zu holen. Dieses Album ist das Erste von Kendrick, wo ich den Erfolg in keinster Sicht nachvollziehen kann und ich denke, am Ende kräht nach dieser Scheibe auch kaum noch ein Hahn.
Der siebte Buchstabe im Norris Radio Weihnachtsgewinnspiel lautet “ M“ wie Marmeladenglasvernichter
1. Tyler the Creator, Scum fuck flower boy
Vor einigen jahren gab es einen großen Odd Future Hype. Angeführt von Tyler the Creator, der durch seine lässige Art, aber auch extrem kranken Texte und tiefer Stimme auffiel, kam die Crew Album für Album ein Stück weiter und auch ich fing an, den überheblichen Jugendlichen auf den Leim zu gehen und mir ihre Schaffenswerke mit zunehmender Freude reinzuziehen. Nach den Probleme rund um Earl Sweatshirt sowie den kommerzielen Durchbruch einiger Crewmates, wurde es ruhig um “ Odd Future“ und Tyler the Creator. Seine Soloalben fanden etwas absteigende Beachtung, Domo Genesis und Co hatte da bessere Aktien. Mit Scum fuck flower boy kommt nun allerdings ein Album, welches es überhaupt nicht gebraucht hätte. Zum Einen hört man null Weiterentwicklung zu früheren Releases…allerdings hatten die früheren Releases immer Banger und genug Momente zur Freude. Hier ist einfach alles gruselig und danebengeraten…die Beats, die Vocals, die Flows…rein garnichts von dem Album ist mir irgendwie positiv hängengeblieben und das hatte ich so wirklich nicht erwartet. Änlich wie bei DAMN scheine ich mit der Meinung auch nicht alleine zu stehen, denn beide Alben laufen seit einiger Zeit durch den Industrie-Sellout. Tyler sollte sich für kommende Werke unbedingt einen eigenen etablierten Produzenten suchen und versuchen, sein Level durch Themen-Alben oder andere Vielfältigkeit hochzubringen. So eine Scheibe wie diese wird schnell zum Boomerang und damit zum Karrierekiller.
Ich danke euch für das Lesen.

Kxng Crooked aka Crooked I, Good vs Evil 2( The red empire)

-The puppetmaster got killed, but there is a new evil and his name is “ the red empire“-.

Mit diesen Worten werden wir in einem cineastischen Intro an das erinnert, was wir im letzten Jahr auf Good vs Evil Pt.1 erlebt haben. Wir haben die Puppetmasters gesucht und verschiedene Robocops gekillt und die Mission war scheinbar erfolgreich. Doch in der Musik ist es wie im Film ist es wie im Leben. “ Auf eine Bedrohung folgt die Nächste und eine Fortsetzung ist immer garantiert“ und so wird auf “ Good vs evil 2″ erneut gegen die Misstände der Gesellschaft gekämpft und rebelliert, für gewisse Revolutionen appeliert und die politischen Systematiken lyrisch umstrukturiert.
Eingebettet in unterschiedlichste Beats von eher unbekannten Produzenten wie Aktive, Audio Jones, E Wash, E.N.G und weiteren, die aber, änlich wie beim Vorgänger, einen synthetisch trappigen Faden aufweisen, zeigt sich das Mitglied der Slaughterhouse Crew dann erneut eher brachial sowohl in seiner Lyrik wie auch im Flow. Das Album braucht ein Stück, um sich zu entfalten. Nach dem Intro folgen mit “ The maga continues“ und dem “ Red hood plot“ 2 Einsteigertracks, die jetzt nicht so wahnsinnig überragend daherkommen, aber auch fernab von “ schlecht“ sind. “ Give u dat hammer“ ist mir persönlich dann auch ein Stück zu “ gewollt hart“, aber mit “ Revolution come“ findet das Album dann doch eine gute Wendung. In Folge gibt es einen Haufen starker Songs wie “ Truth( feat Royce da 5`9), Adderal addicts, Shoot back 2/Train tracks( vor allem zweiterer), Brainwashed nigga oder das überraschende Mace windu zum Abschluß, die den starken Soundteppich des Vorgängers erstklassig fortführen.
Der fünfte Buchstabe im Weihnachtsgewinnspiel lautet “ C“…wie Cosmopolitanvertreter
Dazwischen befinden sich dieses Mal entspannte Tunes wie “ City lights“, “ Stand“ oder das bereits erwähnte “ Revolution come“, die einen auch eher wohlig als abgeturnt zurücklassen. Einzig die lyrische Tiefe, die sich oftmals als nicht so tief wie gewollt erweist und die, damit einhergehenden, sperrigen Flows, dürften nicht allen Zuhörern zusagen…mir allerdings schon, da ich die Message von Crooked gut verstehen und nachvollziehen kann, ohne sie pauschal zu teilen. Aber themenbasierte Alben wie dieses, die dazu noch abwechslungsreiche Beats und Passagen aufweisen, sind zu selten und verdienen mehr Beachtung. Für mich ist diese Scheibe nach einigem Durchhören ein Grower wie auch schon Teil 1, welches im letzten Jahr immerhin auf Platz 4 der Norris Radio Top 100 Jahrescharts gekommen ist. Allerdings wirkt es im Gesamtum einen kleinen Ticken weniger “ rund“ und “ besonders“ als der erste Teil.
Mal schauen, ob nun alle Probleme gelöst worden sind oder ob noch weiterer Ärger in Form von Nachfolgern auf uns wartet. Ich hätte persönlich jetzt nicht viel dagegen wenn Crooked sich bemüht, auch weiterhin beattechnische Vielfalt einzustreuen und vlt. lyrisch mal wieder eine kleine Schippe zurückzieht und flowtechnisch auf die Kacke haut statt in jedem Track das Elend heraufzubeschwören und herauszufordern.

8.5/10 SNOTCH POINTS

Verbal Kent & Superior, Half my life

Der Heilbronner Produzent “ Superior Productions“, der bereits die Instrumental-Scheibe “ Scenes“ sowie zu Beginn des Jahres das Producer-Album “ The journey“ veröffentlicht hat, meldet sich nun mit seiner ersten Producer/Rapper Kollabo LP zurück und hat dort niemanden geringeres als “ Chicagos Finest“ Verbal Kent mit an Board, der auch bereits mit 2 Gastauftritten auf “ The journey“ glänzen konnte.
Im Telefoninterview für Norris-Radio ( www. ) verkündete Superior, dass die Chemie zwischen Ihm und Verbal Kent derart stimmig war, dass die Beiden an einer gemeinsamen LP arbeiten und auch einige gemeinsame Auftritte spielen würden. Die Auftritte konnten Festival-Besucher auf dem Out4Fame und dem HipHopKemp in diesem Jahr begutachten und auch bereits erste Eindrücke der gemeinsamen LP sammeln, denn es wurden 3-4 Tracks vorgestellt. Apropos 3…der dritte Buchstabe im Norris Radio Weihnachtsgewinnspiel lautet “ O“ !
Am 01.12 war nun schließlich das Release Date des Longplayers “ Half my life“ der beiden Protagonisten und herausgekommen ist eine 11 Track Scheibe mit einer runden halben Stunde Spielzeit( passend für den Release auf einer LP aber dennoch etwas kurz für Freunde guter Musik). Verbal Kent verarbeitet in seiner gewohnten Art “ ernste Themen mit viel Witz“, hat aber auch einfach mal Momente, in denen er losspitted…definitiv gehört er durch seine sauklare Aussprache zu den “ bestverständlichsten“ Amirappern und seine sympatische Art lässt einen auch auf dieser Scheibe häufig mal grinsen.
Beattechnisch hat sich Superior weiterentwickelt zu seinen vorherigen Releases. Diese wirkten vielleicht mehr aus einem Guß und klarer stilisiert aber die Abwechslung ist in diesem Fall angebracht und lässt den Rapper auf verschiedenen Ebenen Entfaltung zu. Drumlose Beats mit einem Hauch “ Apollo Brown“( Go get the dank, The little shit usw.) wechseln sich mit boombapigen Material( Steven Hawking walking) oder einfach nur wunderbaren Beats( As far as a fair fight, Meet your idols usw…) ab. Die Features( Lance Ambu, Sonnyjim, Recognize Ali usw.) stören jetzt nicht, glänzen aber neben Verbal Kent aus meiner Sicht auch eher selten.
Insgesamt bin ich also ziemlich angetan von dem Album welches sich, auch aufgrund der kurzen Spielzeit, einfach flott und entspannt durchhören lässt ohne nervige Momente oder großes Skip-Material zu bieten. Zwar bin ich kein Fan von drumlosen Beats und somit halte ich persönlich auch hier am Wenigsten von “ Go get the dank“ aber auch der Track ist nun wirklich hörbar und somit ergibt sich dann doch ein kleines Highlight zum Jahresende. Anspieltipps sind definitiv “ Meet your idols“ und “ Steven Hawking Walking“ ! Die werden noch eine Weile rotieren.

8.0/10 SNOTCH-POINTS

The Doppelgangaz, Dopp hopp

Seit 2008 bereichen Matter Ov Fact & EP aka The Doppelgangaz bereits den Markt mit ihrem eigenen Stil und ihrer Interpretation von modernem New Yorker Rap und wenn man einem großem Verzeichnis mit “ w“ vorne glaubt, handelt es sich bei “ Dopp hopp“ bereits um das zehnte Studioalbum der beiden Jungs.
Ganz so einfach ist es aber nicht, denn die 4 aufgezählten “ Beats 4 brothels“ Editionen gelten( trotz teilweise berappter Tracks) ebenso wenig wie “ R.O.B“( eine EP von 2010) nicht als wirkliche Studioalben, so dass wir es ( nach Adam Riese) nun mit dem fünften reellen Studioalbum der Jungs zu tun haben. Dies soll aber eben erwähnte Werke überhaupt nicht herabsetzen, denn aus meiner Sicht sollte man nahezu jedem Release, ob nun Album, Mixtape, EP oder Instrumental-LP-Serie, welches die Beiden auf den Markt bringen, einen Lauschangriff gönnen, denn es lohnt sich in vielfacher Hinsicht.
Klar kann man den Sound der Jungs oberflächlich als “ angestaubt“ und “ gewollt 90iger like“ abstempeln und wer das in der Vergangenheit getan hat, wird es wohl auch mit dem Neuling nicht ändern. Wie immer holpern größtenteils träge Beatpassagen, knackende Vinylsamples und teilweise “ abschweifende“ Lyrics durch das Trommelfell. Gleich zu Beginn wird man mit dem Titeltrack perfekt beliefert, modern und trotzdem irgendwie “ old school“ zugleich. Dies schaffen zwar in dem Stil nicht alle Tracks auf der Scheibe aber das ist völlig egal, denn das Grundgerüst ist wieder ein Mal mehr als stimmig. So ist es einfach schwierig, sich gezielt bei den 15 Anspielstationen auf einzelne Songs zu versteifen und diese hervorzuheben oder zu kritisieren. Mit Ausnahme des startenden Titeltracks vielleicht, der zwar das Konzept der Scheibe grob vorstellt, dann aber doch wieder schwungvoller als der Rest ist und einfach Spaß macht. In der Folge ist nahezu alles perfekt ausproduziert und bis ins Detail durchdacht. Leider wird auch dieses Mal auf größer angelegten Einsatz von DJ`s verzichtet, was dann auch schon den einen Punkt Abzug ausmacht, denn dies würde aus meiner Sicht enorm gut zu dem Sound der Jungs passen und das Gesamtpaket weiter abrunden.
Es bleiben aber 50 Minuten und 15 Tracks, die wahnsinnig kurzweilig sind und man nach dem Durchhören direktes Wiederholungsbedürfnis verspürt. Dies finde ich gerade in diesem Jahr gar nicht so “ häufig“ und auf dem Ersteindruck konnten die Jungs die bisherige Albumqualität mindestens halten, eher toppen als zu enttäuschen…und auch das ist in diesem Jahr gar nicht so “ häufig“. Von daher “ chapeau“. Von Norris-Radio gibt es für dieses Album eine absolute Kaufempfehlung und eine Prognose auf die Top10 der Norris-Radio Album of the Year 2017 Charts.

9,0/ 10 Snotch-Points

Jay Z, 4:44

Was wurde nicht alles bereits gesagt & geschrieben zum neusten Machwerk von Mister Rich, welches den exclusiven Weg auf die leidig bekannt beliebte Musikplattform “ Tidal“ fand und sich im Vorfeld so nötig anfühlte wie sein komisches “ Samsung-Smartfon-Album“ vor einiger Zeit, welches ich bis heute nicht ein Mal gehört habe, nie hören wollte und nie hören werde.
Bei 4:44 strömte Positivität aus vielen Ecken… “ the grown-men modern version of The Blueprint“ hieß es zum Beispiel und um es gleich mal vorwegzunehmen: aus meiner Sicht ist das die Meinung von Schönrednern und ich werde mich dem nicht anschließen…aber mal der Reihe nach:
Kommerzieller US Rap hat unbestritten an Qualität eingebüßt in den letzten Jahren. Die Gründe dafür ausfindig zu machen, ist aber eher mühsam und auch generell strittig. Grundsatzdiskussionen wiederrum unnötig, also lassen wir den oberen Satz einfach mal ungefragt so stehen und stellen fest, dass auch andere “ US Rap Größen“ in diesem Jahr enttäuscht haben, z.B Kendrick Lamar… Jay-Z hat sich diesen Aspekt zunutze gemacht um aus einem soliden und völlig harmlosen RAPALBUM genau an diesem Punkt mal wieder Profit zu schlagen, wo keiner mehr gebraucht wird…
Ehrlich Leute, 4:44 trieft aus allen Ecken vor “ Langeweile“.
– Die harmlosen Beats, die dieses Mal zwar sample- und soullastig sind, dennoch aber kein Schwein aus der Jauche hiefen…> klar ist das besser als der erwartete Popmüll, aber c`mon…wenn ich null erwarte und wenig bekomme, sollte ich mich nicht aufführen wie ein glücklicher Vogel der alles hat!
– Die Raps, die teilweise unflowig vor sich hinplätschern, wie immer vor “ Arroganz“ so stinken und selten in die Tiefe gehen…> besser als schäbiges Autotune Geträller allemal, aber c`mon…wenn ich null erwarte und wenig bekomme, sollte ich mich nicht aufführen wie ein glücklicher Vogel der alles hat!
– Die ganze Vermarktung um die dämliche Story des Titeltracks, die auf den ersten Blick irgendwie “ durchdacht“ erscheint, auf dem zweiten Blick aber dann doch genauso durchdacht ist wie sein Album “ Heißer Kaffee“ zu nennen, da man irgendwann festgestellt hat, dass man bei 2 von 10 Tracks beim Schreiben ein derartiges Heißgetränk auf dem Tisch stehen hatte…> besser als gar nichts zu durchdenken wie viele Andere, aber c`mon…wenn ich das jetzt noch Mal schreibe, nerve ich langsam!
Jetzt mal der Grund, warum ich mich trotz all der negativen Worte zu einer 5,5/10 hinreißen lasse. Bis zum Titeltrack schafft es das Album, dass ich mich “ gelangweilt wohlfühle“, ab dem Titeltrack bin ich größtenteils nur noch gelangweilt und stellenweise genervt…schalte bei “ Marcy me“ dann ab um erstaunt festzustellen, dass da eh nicht mehr viel kommt, denke zeitgleich “ hmm, war das jetzt wirklich so übel oder doch irgendwie okay…“ und höre daraufhin erneut “ Dopp hopp“ von The Doppelgangaz, was dann doch eine ganz andere Welt ist und bald ebenfalls hier rezensiert wird…

5,5/10 Notch-Points

Snak the Ripper, From the dirt

Aus einem lokalen Untergrund-Beef das Maximum rausholen…so oder änlich könnte man die Ambitionen des 33.jährigen, aus Vancouver/Cananda, stammenden Rappers beschreiben, der sich im letzten Jahr entschieden mit dem canadischen Kultrapper und Swollen Members Frontmann Madchild auseinandergesetzt hat und einen doch recht schwungvollen Disstrack-Marathon beiderseits folgen ließ, den man sich interessehalber durchaus reinfriemeln kann.
Auf jeden Fall erschien am 17.06 das mittlerweile dritte Album von Snak nach dem Überraschungshit “ White dynamite“ und dem eher durchwachsenen “ Just giver“, welches aber Fans durchaus zu gefallen wusste. Die neue CD trägt den Titel “ From the dirt“ und natürlich nimmt uns Snak dementsprechend auf eine Reise in die Vergangenheit und den Straßen Canadas mit, allerdings deutlich anspruchsvoller und vielseitiger als noch beim eher smoothen Vorgänger. Bereits die Auswahl der Features lässt mit Namen wie “ Ill Bill, Crooked I & Dope DOD“ schon einiges erwarten und entsprechend passend sind die einzelnen Songs auch umgesetzt. Nach unspektakulären Intro wird man mit dem Titeltrack sowie dem Marco Polo produzierten Brett “ Premium dope( feat. Crooked I) direkt mal straight begrüßt und modernster Boombap serviert, der begeistern sollte. Große Producernamen neben Marco Polo findet man sonst nicht auf der Scheibe, außer Namen wie Lazy Rida oder N-Jin sind einem geläufig, aber auffällig ist, wie stark die Beats ausproduziert sind und auch die Arrangements von Snak sich einfügen.
Auch wenn Ill Bill wie auch Dope DOD einen hervorragenden Job machen und Snak sich voll und ganz auf seine Features eingelassen hat beattechnisch…es ist vor allem der Hauptprotagonist selber, der nahezu durchweg überzeugende Leistungen abliefert. Es gibt Boombap-Bretter wie oben bereits beschrieben, aber auch moderne Anwandlungen wie bei “ Vicious style“ oder “ It`s over( übrigens mit sehr anhörbaren Gesangsfeature von Jaclyn Gee), auf denen es teils vertrippt und teils auch etwas poppig zugeht. Die einzelnen Nummern auf der Scheibe kann man hervorheben, muß man aber gar nicht weil das Gesamtkonzept stimmig und vielfältig ist. Wenn aber, dann natürlich “ Fuck the internet( feat Il Bill), weil Ill Bill wie so oft einfach genial ist und der Song inhaltlich zwar nichts Neues, allerdings auch nichts Falsches und vor allem einige Schmunzler bereithält
Generell muß man sagen, dass Snak hier auf ganzer Linie überzeugt. Vom ersten Moment an hat man das Gefühl, “ ein richtiges ausproduziertes Album“ zu hören was heutzutage seltener der Fall ist als man sich wünscht. Lyrisch liefert Snak das, was er kann…das mag für manche zu wenig sein, für mich ist es absolut ausreichend, denn er rappt klar und sauber und man kann gut folgen. Die Features sind super gewählt und der rote Faden stimmt. Hin und wieder kommt der alte Rocker durch, was aber gerade den Arrangements zugute kommt. Negatives kann ich wenig finden…die Stimme ist natürlich nicht jedermanns Sache…auch werden keine Doubletime-Passagen oder übertriebene Reimketten abgefeuert aber davon abgesehen komt keine Langeweile auf und man wird runde 50 Minuten Spielzeit auf 15 Songs bestens unterhalten. Uneingeschränkte Empfehlung von meiner Seite aus.

9,0/10 NOTCH-POINTS

A$ap Ferg, Always strive and prosper

Fergie war nach Rocky der zweite Künstler, der sich etwas größer und nachhaltiger aus dem “ A$ap Mob“ auch als Solokünstler ins Gespräch bringen konnte, was natürlich an dem 2013er Erfolgshit “ Trap lord“ gelegen hat, der sich allgemein großer Beliebtheit erfreute. Im Zeitalter von “ Swag-Rap“ kam Fergie mit seinen stupiden aber zumindest zusammenhängenden Lyrics auf ebenso stupide Beatgerüste mit lustigen Gesangseinlagen einfach absolut gelegen und auch ich muß zugeben, dass mich das Album tierisch unterhält, wenn ich für 60min einfach mal jegliche “ lyrischen oder ursprünglichen Ansprüche“ ausblende und mich auf das absolut geniale Soundbild und den Albumfaden einlasse.
Nachdem es um den gesamten “ Mob“ etwas ruhiger wurde die letzten 2 Jahre und langsam die Promozeit begann für das nun vorliegende zweite Soloalbum von Fergie, wurde schnell klar, dass es ihm wichtig war, schon über die Promo klarzustellen, dass dieses Album sich nicht an “ Trap lord“ orientieren sondern eine klare künstlerische Reife erkennen lassen soll, deutlich persönlicher und somit auch im Sound “ tiefer“ werden wird. Diese recht großen “ Ankündigungen“ wurden dann aus meiner Sicht überhaupt nicht mit der ersten Auskopplung “ New level“ erfüllt und auch nur ansatzweise mit der zweiten Auskopplung “ Let it bang“. Das muß aber noch lange nichts schlechtes bedeuten, wie wir nun in der genauen Albumbetrachtung feststellen werden.
Die Scheibe startet grandios mit “ Rebirth“. Der Song ist schlichtweg super, nur zu kurz…der Überraschungseffekt, wenn der Beat einsetzt ist aber immer wieder genial( v.a beim Ersthören). Die Meinungen gehen hier schon weit auseinander aber für mich ist es eine Nummer, die enorm Bock macht, was dann aber von “ Hungry ham“ ziemlich und von “ Strive“ dann völlig runtergezogen wird, was leider wiederrum sehr ernüchternd ist zu diesem Zeitpunkt. “ Strive“ ist richtig wack. Hat man sich da durchgequält, wird man aber mit dem wohl besten Track der Scheibe “ Psycho“ belohnt. Dieser Beat und auch das gesamte Arrangement sind der, aus meiner Sicht einzige Moment, wo es wirklich geklappt hat mit den “ Reifungsansprüchen von Fergie“. Der Song sollte Newbies genauso gut gefallen wie alteingessesenen Hoppern und definitiv ein Orientierungspunkt für die Zukunft darstellen. Es folgen “ Let it bang“ und “ New level“. Ersterer ist solide und wartet mit gutem Schoolboy Q Feature auf und der Zweite ist mein absoluter “ Absturztrack“ im Moment, völliger “ Trap lord Shit“. Dieses “ das ist so scheiße, dass es einfach geil ist- Leslie Nielsen( RIP)“ Syndrom macht sich breit und ich liebe das hin und wieder. Die nächsten 3 Songs “ Yammy Gang, Swipe life & Uzi Gang( Wahnsinnstitel)“ orientieren sich dann weiterhin am ursprünglichen “ Trap lord“ Sound und nehmen aus meiner Sicht in Reihenfolge immer weiter ab. Wo “ Yammy gang“ noch okay ist, sind “ Swipe Life“ und v.a “ Uzi gang“ schon relativ beschissen. Da retten auch die vielen Features nicht viel. Bei “ Beautiful people“ hört man wieder den Versuch, deeper zu werden was beim Beat auch ganz nett gelingt. Die Raps überzeugen aber nicht wirklich. “ Let you go“ ist dann trotz Anflug von Schmalz eine sehr schöne Nummer, gut gerappt und nice anzuhören, was dann aber auch leider den positiven Abschluß bildet. Den Rest der Scheibe kann man sich getrost schenken, da sich dort seichter Popsound mit flachen Inhalten breitmacht, den ich so absolut nicht gebraucht hätte. Big Sean auf “ World is mine“ möchte ich beiläufig als grausames Feature erwähnen.
Gesamt gesehen hat man hier bestimmt nichts Schlechtes aber irgendwie auch nichts Halbes und nichts Ganzes. 4 Tracks finde ich sehr stark, die auch alle sehr unterschiedlich sind ( Rebirth, Psycho, New level & Let you go)…einige weitere sind okay bis gut und dann hat man einen recht großen Schwung an Material, welches aus meiner Sicht nicht zu Fergie passt, weil es zu gewungen poppig daherkommt.

Das Ganze führt dann zu einem Ergebnis, welches mit Sicherheit keine „17 Euro Anschaffung“ für die Scheibe rechtfertigt…liegt sie aber irgendwann unter 10 Euro, sollte man gemessen der Qualität wohl bedenkenlos zugreifen. Ich würde mir mehr Songs wie “ Psycho“ wünschen, wenn Fergie diesen Weg weitergehen möchte oder einfach weiter “ stumpfe Trap-Partymucke“ machen, die mit Sicherheit nicht jeden gefällt oder unterhält aber definitiv seine Fans hat, die ihm bestimmt nicht übel nehmen würden, wenn er seiner künstlerischen Entwicklung etwas mehr Zeit einräumt. Ein “ Reinhören“ ist die Scheibe allemal wert.

6,5/10 SNOTCH POINTS

DITC, DITC Studios

Diamond D, Lord Finesse, Showbiz, A.G., O.C. , Fat Joe & Buckwild haben sich “ mehr oder weniger“ wieder zusammengetan um ein neues Album aufzunehmen und die berechtigte Frage vor dem Hören ist: Braucht irgendjemand 2016 noch einen Langspieler von den Herren?
Ich möchte diese Frage direkt mit einem kurzen und knappen “ JA, unbedingt!“ beantworten. Dieses Album ist stark, sogar überraschend stark, wie ich finde. Mit dem “ unsterblichen“ Big L eröffnet sich der Starttrack “ Not 4 nothing“, der absolut passend daherkommt. Ein bombastischer OC Part lässt den -Boombap-Fan sofort mitnicken und auch die Hook ist gut umgesetzt. OC & AG haben den Löwenanteil der Raps auf dem Album und Beide lösen ihren Job im Rahmen ihrer Möglichkeiten( die bei AG etwas geringer sind) sehr stark meiner Meinung nach. Mit “ Rock shyt“ folgt dann eines meiner Highlights. Ich liebe diesen Style einfach: ein drückendes Beatbrett mit ohrenbetäubenden Gitarrenriff und dazu ein Fat Joe, den man genauso früher mal gefeiert hat. Mit Pharaohe Monch auf “ Night rider“ folgt dann das einzig namenhafte Feature der Scheibe, der auch gleich mal die Kollegen naßrappt. Danach folgen abwechselnd grundsolide Songs, gute Songs & auch absolute Banger die vor allen das “ ursprüngliche Boombap-Herz des NY-Fans“ höher schlagen lassen. Die Aufnahmen klingen teilweise nicht ganz neu, was ich jetzt allerdings nicht nachhaltig überprüft habe. “ Connect 3″, “ Brolic“ und “ Gotta be classic“ möchte ich sehr positiv hervorheben, die Solonummer von OC “ Caviar dreams“ bildet den etwas negativen Gegenpol ohne jetzt zwangsläufig zum Skiptrack mutieren zu müssen. Er stört weder den Albumfluß, noch ist der Song wirklich schlecht…ich mag diesen Beattyp nur nicht.
Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt. Manche Beats haben eine fixe Abnutzungserscheinung und hat man änlich schon sehr häufig gehört, was bei der Produzentenliste kein großes Wunder ist aber dem Langzeiteffekt wahrscheinlich in die Quere kommt. Die Raps von AG schwanken bei mir zwischen “ total lustig & brilliant bis völlig abgedroschen & platt“, was aber schon seit zig Jahren so ist, genauso wie ich seit “ Word…life“ und dem DITC-Erstwerk aus dem Jahre 2000 ein großer Freund von OC bin, was sich auch dieses Mal nicht ändert. Die Scheibe kommt außerdem zum richtigen Zeitpunkt( änlich wie das Album von BigTwins & Twizz the Beat Pro), denn zumindest ich freue mich, wenn Leute ihren Stil beibehalten und durchziehen, den ich vorher schon gemocht habe, ohne dabei kontinuierlich abzubauen oder durch zu großen Output in die “ Langeweile“ abdriften, was hier nicht der Fall ist. Das gelingt immer seltener und so bildet sich hier eine Scheibe, die ich genauso wollte…egal ob 2000, 2005, 2010 oder halt heute unabhängig von meinem sonstigen Geschmack(sänderungen über die Jahre)!
Natürlich werden mir jüngere Fans, NY u/o -Boombap-Hater- absolut nicht beipflichten können aber der moderne -Boombapper-, dem es mehr um Musik als um “ Bezeichnungen“ geht und auch der “ Früher war alles besser-Anfang 80er Jahrgang“ sollte hier durchaus mal reinhören um wieder etwas Freude zu empfinden.

8,0/10 SNOTCH POINTS

Samy Deluxe, Berühmte letzte Worte

Nachdem im Jahre 2011 mit “ SchwarzWeiß“ das letzte Album von Samy erschienen ist, dem man auch als potenzieller Nichtfan( Hater wäre etwas viel) zumindest einen gewissen künstlerischen Anspruch nicht absprechen konnte, kamen danach mit seinem Ausflug als geschminkter Schornsteinfegerclown und der übertrieben peinlichen “ Männlich Kampagne“ Jahre der absoluten Hoffnungslosigkeit. Vom urspünglichen Wickeda Mc war nicht mehr viel übrig außer der ein oder andere antizipierte Part, der dann in Form eines “ Freestyles“ oder “ Mixtape Track“ irgendwie 50 “ DieHard Fans“ erreicht hat, die sich auch durch den anderen Schrott nicht runterziehen ließen. Dass er irgendwo noch immer gewisse Skills nicht komplett “ verlernt & verloren“ hat, erschien mir logisch, diese aber vor allem nach seinem “ Deluxe Records Labelflop“ derart selten zu präsentieren, war unlogisch.
Nun haben wir das sechste Studioalbum unter dem Pseudonym “ Samy Deluxe“( alles weitere nicht eingerechnet) mit dem Namen “ Berühmte letzte Worte“ und man sparte sich durch den Titel schon Mal eine teure beschissene Kampagne und Promozeit a la “ Männlich“. Dass die Redakteure und Interviewer durch den Titel von sich aus auf die Karriereende-Geschichte kommen und zahlreich nachfragen, war ja doch sehr vorhersehbar und genauso klug wie die Relativierungen seinerseits in den Interviews…es könnte das letzte Album sein, muß es aber nicht…also genau wie bei allen anderen Releases, auch von jedem Anderen. Ergo ist es einfach nur ein “ ( sinnfreier) Titel ohne Hintergedanken“ und keine “ Aussage“ aber das differenziert kaum jemand, von daher wurde hier schon Mal etwas richtiggemacht um sehr günstige weitreichende Promo zu bekommen aber über die “ Aufmerksamkeit“ hinaus auch noch einen Kaufanreiz noch vor dem “ Probehören“ zu bieten( es könnte ja das letzte sein, nicht wahr?).
Kommen wir nun zur Scheibe selber, die mit 16 Tracks( Normal) oder 20 Tracks( Deluxe Edition) daherkommt. Zugunsten von Samy bewerte ich mal die 4-Track stärkere Deluxe Edition, da sich dort mit “ Jericho“ einer der stärksten Tracks der Scheibe wiederfindet incl. epochalen Beat & passendem Gentleman-Feature. Ich komme sehr gut rein in die Scheibe…“ Vorwort & Haus am Mehr“ sind absolut solide und “ Countdown“ irgendwie ziemlich fett. Die Auskopplung “ Klopapier“ ist, mit Ausnahme der “ auf billig kontrovers“ gemachten Hook auch okay…und an dieser Stelle hört es leider auch schon fast wieder auf. Nun reihen sich allerlei neumoderne Beatstrukturen an völlig belanglose Rhymes, inhaltslose Privatstorys und langweilige Flowpatterns. Halbwegs erträgliche Beats wie “ So good“ werden durch die Hook gekillt…nur “ Bisschen mein Ding“ finde ich noch gut, alleine wie Samy bei den Drums einsetzt, ist der einzig wirklich lustige Moment auf dem Album. Songs wie “ Mimimi“( auch der Remix), „Von dir Mama“ oder “ Habs erkannt“ wirken gezwungen oder ganz einfach anspruchslos. Auch dieses Mal bin ich leider alles andere als überzeugt…ganz im Gegenteil:
Samy wirkt wie ein 40jähriger gebrocher Mann, der traurig ist, dass Sohn & Exfrau in Amerika sind wo er ja auch soo gerne wäre…allerdings Hotdogs am Stand verkaufen müsste weil er ungelernt und berufsunerfahren ist und als Rapper keine Chance dort hat…also „muß“ er im “ doofen“ Deutschland bleiben, wo er vom Regen & Fernweh manisch depressiv wird und dermaßen viele “ stressvertreibende“ Drogen konsumiert, wodurch er wiederrum jährlich etwas rausbringt um den Output & Cashflow zu halten und immer wieder Menschen findet, die wegen 1 bis 2 Tracks auf die “ klingt wie früher“ Scheiße reinfallen( als wäre das Frühere dem heutigen Anspruch noch angemessen…mal abgesehen davon, dass es einfach nur eine Falschaussage ist). Er muß bleiben, weil er nur hier für sein Schaffen so viel Geld bekommt um über schwarz-rot- goldenes Klopapier überhaupt nur nachdenken zu können.
Insgesamt klingt der letzte Abschnitt gemeiner, als es die Scheibe eigtl. nötig macht! Ich komm gut und sehr schnell rein und genauso schnell nach 15 Minuten wieder raus…es ist vielleicht möglich, dass ich zu bestimmten Zeitpunkten auch den Gesamtfaden schätzen würde und ich werde der Scheibe noch 1-2 Chancen geben, mich nachhaltig zu packen. Die vorläufige Bewertung ist:

4,5/10 SNOTCH POINTS

Ocean Wisdom – Chaos 93‘

***Eine Rezension von DenKah für norris-radio.de***

Ocean Wisdom aka Spitz Wisdom aka Wizzy kommt aus London, genauer aus dem Stadtteil Brighton und wird seit der Veröffentlichung seines ersten Videos zu der Single „Walking“ vor ca. 1,5 Jahren als der MC, der neue lyrische und technische Standards auf der Insel definieren könnte, gefeiert. Das Video ging durch die Decke und hat mittlerweile über eine Million aufrufe. Durch den Erfolg des Songs und den Kontakt zu Dirty Dike, der „Walking“ produziert hat, kam es wie es kommen musste und das im Hip Hop momentan erfolgreichste und respektabelste Label in Großbritannien hat den jungen Mann und somit die Zukunft zu sich geholt.

Kurz darauf wurde von High-Focus Records das erste Solo Album von Ocean Wisdom mit dem Namen Chaos 93` angekündigt. Interessante Info zum Albumtitel: Ocean war bei seiner Geburt kurz tot und seine Mutter bewusstlos. Nachdem er wieder zum Leben erweckt wurde, hat sein Vater entschieden, dass Chaos Wisdom ein klasse Name für ihn wäre. Fand seine Mutter dann aber nicht und sie haben es sich nochmal überlegt und Ocean registrieren lassen. Seit einem guten halben Jahr wird die Veröffentlichung durch 4 Musikvideos vorbereitet und war wohl das meisterwartete Album in der UK-Szene. Es wurde am 22. Februar 2016 veröffentlicht und erfüllt die hohen Erwartungen voll und ganz oder übertrifft diese sogar.

Chaos 93‘, als Gesamtwerk betrachtet, bietet eine sehr hohe Abwechslung und wird innerhalb der beachtlichen Spielzeit von 75 Minuten nie langweilig. Ocean spittet mit hoher Energie auf klassische Boombap-Hip Hop und moderne Grime-beeinflusste Beats und wechselt seinen Flow, auch gerne mal unerwartet, zwischen normal und Tripletime. Es wird viel represented und gebattlet, aber es gibt auch Einblicke in sein Leben/das Leben in London und in das Musikgeschäft zu hören. Das komplette Album wurde von High-Focus Veteran Dirty Dike produziert und dieser zeigt ein weites Spektrum seiner Skills. Druckvolle Drums und wabernde, ganz tief runter reichende Bass Lines treiben die Instrumentale, größtenteils entspannt, nach vorne. Mal minimalistisch (Walking, Splittin‘ The Racket, Devilish, Freeze und Mazin`Hazin`), mal durch sehr schön verzerrte Samples unterstützt (High Street, O Kiddi K, Imaginary?, One Take, Heskey und 4U), bekommt Ocean perfekt zu ihm passende Beats auf denen er sich variantenreich und mit einem vielfältigen Stimmeneinsatz, sowie einer hohen Reimdichte entfalten kann. Eine Glanzleistung, auch von Dirty Dike, der mit diesem Album als Produzent ein nächstes Level erreicht. Hervorzuheben sind auch die Features, die alle eine Bestleistung abliefern. Insbesondere Klashnekoff zeigt auf „Devilish“ das mit ihm noch zu rechnen ist und zieht den Beat an, als wäre der nur für diesen Part produziert worden. Highlights sind auch die Beiträge von den Foreign Beggars auf „Doolally“, einem harten und sehr sauber produzierten Grime-Abreißer und von Remus auf dem 6:31 Minuten laufenden „O Kiddi K“, der sozialkritische Themen anspricht und einfach extrem fett gerappt ist. Auch wieder sehr fresh sind die Four Owls auf „Real Smooth“, der durch einen Beat wie aus den frühen Neunzigern mit Vinylknacken, einer Old School Kick und einem nach live klingenden Bass Sample in die funky-kopfnicker Richtung geht. Ocean schafft es auch auf einigen Tracks, durch seine einprägsamen, manchmal in einem Singsang vorgetragenen Hooks, eine weitere Variation seines Könnens zu zeigen.

Chaos 93‘ wird durch seine Länge ohne skipbaren Track, seiner dicken, abwechslungsreichen Produktionen und einem MC, der alle Variationen des Rappens drauf hat, schwer zu übertreffen sein. Ocean hat sich mit seinen 22 Jahren auch selber mit seinem ersten Release eine hohe Hürde gelegt. Es wird interessant zu beobachten, ob er dem jetzigen Sound treu bleibt oder ob er sich auch im Mainstream der größeren UK-Grime-Szene versucht. Auch Songs mit noch mehr Fokus auf die Lyrik (Jungle) oder andere Genres wie Reggae/Dancehall stehen ihm offen. Schlussendlich finde ich keine Gründe diesem Album nicht die Höchstwertung zu geben und somit

10/10 Diggidi-Points

Capone n Noreaga, Lessons

Am 24.07.2015 wurde das fünfte Studioalbum des Rapduos aus Queensbridge/New York released, die seit 1995 aktiv zusammenarbeiten und mit “ The War Report“ ganz unbestritten einen absoluten Klassiker im Bereich “ Street-Rap“ veröffentlicht haben, der sich absolut zu Recht bis heute sehr großer Beliebtheit erfreut. Mit “ The Reunion“ im Jahre 2000 konnten dann die Zuhörer nur noch teilweise begeistert werden, was bei “ Channel 10″ im Jahre 2009 dann eigentlich gänzlich ausblieb obwohl die zwischenzeitlichen Soloveröffentlichungen der Beiden eigentlich noch deutlich schlimmer waren mal mit Ausnahme von Noreagas “ Gods favorite“, welches zumindest einen hohen Entertaiment Faktor besitzt imo. Im Zuge einer kleinen Nachfolgewelle im Jahre 2010 kam dann also “ The War Report 2″ heraus und ich war, zumindest teilweise, überrascht von der soliden Arbeit der beiden Jungs, denen ich das nicht mehr zugetraut hatte. Dennoch war ich jetzt nicht unbedingt heiß auf ein neues Album und nach mehrfachen Hören der Scheibe “ Lessons“ weiß ich auch umso mehr, warum.
Dabei fing alles ganz nett an. Die im Mai veröffentliche Single “ 3 on 3″ zusammen mit The Lox & Tragedy Khadafi fand ich bei Weitem nicht so schlecht, wie sie online meistens dargestellt wird. Dann wurden mit “ Ayatollah, Large Professor, Staik Selektah, Scram Jones usw.“ auch sehr verheißungsvolle Produzentennamen gedroppt und ich erwartete eine Scheibe so im Bereich der 6,5 bis 7,5 Punkte. Die Beats sind auch gar nicht das große Problem. Zwar blieben gerade Ayatollah & Scram Jones unter meinen Erwartungen, aber das Meiste ist ganz solide Handarbeit ohne jemals spannend zu werden. Was wirklich schlimm ist, sind die Rapper. Ich habe wirklich selten so ein belangloses Geblubber gehört und denke, das sowas bestraft gehört. Noreaga ist auf “ Chinese girl“ zum Beispiel so schlecht, dass ich mehrfach kopfschüttelnd kotzen wollte und lachen musste, was echt selten passiert. Capones Stimme war jetzt ja noch nie sonderlich, ähm, “ männlich“ aber schlechte Lyrics mit larmen Flows zu kombinieren, klang zumindest früher “ aufwendiger“. Mir kommt das ganze Album, auch von der Abmischung vor, völlig lieblos und zusammengeschustert vor. Als ob die beiden Protagonisten nicht Mal zusammen im Studio standen, geschweige denn “ auf Beats“ gerappt haben. Die Gastrapper retten wenig. The Lox sind belanglos, ebenso Raekwon und Tragedy Khadafi kann zwar noch, zeigt das aber “ vielleicht etwas bewußt“ gerade hier eher selten.
Als Freund des guten alten QB Sounds kann man nur enttäuscht sein. Tragedy redet im Intro, den Interludes usw. von alten Werten und die Songs dazwischen klingen größtenteils wie Versuche, soundtechnisch in die Neuzeit zu drängen um 2015 dann doch wieder mit 2010 verwechselt zu haben. Dieses Album ist absolut kein “ Replay“ wert.
3,5/10 Snotch-Points

Shuko, For the love of it

“ Es gibt bereits einen Statik Selektah“…so in etwa liest sich mein vorweggenommenes gedankliches Fazit zu Shukos erster und, nach eigenen Angaben, “ einziger“ Producer-Scheibe seines Lebens mit dem Titel “ For the love of it“ die seit Ende Januar überall erhältlich ist.
Ein deutscher Producer, der ausschließlich amerikanischer Rapper auf seinem Album platziert, ist in 2015 nicht mehr so “ besonders“ wie noch 2002 aber um fair zu bleiben: Wer mit Namen wie Ra the Rugged Man, Masta Ace, Blu, Evidence und Saigon um die Ecke kommt, der verdient zumindest ein unvoreingenommenes Hören des Rezensisten.
Der Spaß vergeht mir dann aber doch vergleichsweise schnell, denn der Starttrack mit Pete Philly, Evidence und einem wenig spektakulären Franzosen klingt wie “ 1000 Mal gehört“ vor allem vom Beat her( wobei auch kein Rapper glänzt)…ist aber noch ein Ohrenschmaus im Vergleich zum Folgetrack mit einem sehr schwach singenden wie rappenden Talib Kweli auf einem, sagen wir, wie es ist, scheiß Beat! Danach wechseln sich gewollt “ ursprünglich“ aber wenig aussagekräftig klingende Boombapper mit neumodernen, sehr radiotauglichen, Beats ab, wo einfach wenig wirklich hängenbleibt. Positive Ausnahmen bilden Masta Ace auf “ Nothing changed“ und Saigon, Vinnie & Ra auf “ Change gonna come“ und beide Titel beschreiben die Scheibe auch wundervoll…die beste Hook der Scheibe geht “ Someday a change is gonna come…but not today“ und genauso ist es leider auch aus meiner musikalischen Betrachtungsweise. Die Scheibe ist durchaus harmonisch produziert…die Beats größtenteils auch nicht schlecht( wobei halt vieles an Statik Selektah erinnert), “ The same“ ist auch z.B ein chilliger netter Song mit einem durchschnittlichen CL Smooth aber insgesamt fehlt es mir an Ausdruckskraft und vielleicht auch der einen oder anderen “ etwas rougheren“ Ausnahme für eine bessere Wertung. Kein Rapper läuft auf 100Prozent( was der alten “ wenn Amis was für Deutsche machen sollen, dann gibts nur C-Ware“ Verschwörungstheorie Nährwert gibt) und irgendwie ist die Scheibe auch schon vorbei, wenn man sich so gerade etwas auf den “ weichen“ Sound eingelassen hat.
5,0/10,0 SNOTCH POINTS

Willie the Kid, The Fly 3

Willie the Kid ist kein Revolverheld aus dem wilden Westen sondern amerikanischer Rapper…was leider schon Mal schlecht ist, denn kurzum gesagt: The Fly 3 ist scheiße. Ich habe gelesen, dass für die Scheibe ein “ vergleichsweise“ hohes Promobudget aufgewendet wurde und man muß schon Mal nebenbei festhalten, dass es wohl neben der Musik CD noch einen Film zum Album gibt. Den habe ich mir nicht angeschaut, also beziehen sich meine Worte schlichtweg auf die Musik CD.
Auf insgesamt 11 Tracks langweilen sämtliche Beats, Lyrics und vor allem der monotone Flow und die Stimme von Willie the Kid so dermaßen, dass man sogar die letzten 3 Talib Kweli Alben lieber hören möchte. Beim Starttrack “ Pop bottles“ könnte man sich irgendwo noch vorstellen, dass ein A$ap Rocky oder Smoke Dza den Beat zerpflücken würden und mit Atmosphäre ausstatten die jenseits von „purer Aussagelosigkeit“ liegt wie in diesem Fall…jahaa, “ Swag Rapper“ müssen so klingen als ob sie im Stehen einschlafen, das wissen wir mittlerweile alle…aber dazu brauchen sie passende Stimmen und ne frische Attitüde…2 Dinge, die ich bei Willie schmerzlich vermisse. Ok, mit dem zweiten Track “ Different type“ werden jetzt keine neuen Soundbilder kreiert, man kann aber von einem Highlight sprechen, denn danach wird es wirklich unfassbar. Was zur Hölle soll “ I`m rolling“ sein? Auf jeden Fall kein hörbarer Song…es folgen vor sich hinplätschende Beats und Parts und selbst Royce da 5`9 kann mit seinem ( wirklich guten) Gastpart auf “ The watch“ nicht mehr viel rausholen. Der Beat in diesem Fall ist Geschmackssache, geht aber für Boombap-Freunde in Ordnung.  “ Midnight“ hat ein änliches Schicksal wie der Starttrack “ Pop bottles“, wobei hier der Beat auch kaum noch was kann und der Rapper, der daraus einen guten Song macht, wirklich einen guten Tag haben müsste.
Natürlich kommen zur Zeit nicht übertrieben viele Releases raus, so dass man mit einer gewissen Promooffensive schon was bewirken kann. In diesem Fall ist aber wirklich jede Art von „gekauften Minihype“ überflüssig und sollte im Keim erstickt werden. Das kann man nur tun, indem man einen weiten Bogen um “ The fly 3″ macht und sich lieber mit dem neuen Kenn Starr- oder Joey Bada$$ Album einschließt.  3,0/ 10 Snotch Points

Stylez Tyson, Abgebrannt

Lange Zeit beschäftigte sich Stylez Tyson( www.wordfamouz.de) mit diesem Album, welches das erste Album ist, nachdem der Oldenburger Rapper lokal bereits mit dem „ Mastamouth“ Mixtape vor einiger Zeit die Aufmerksamkeit berechtigterweise auf sich lenkte. Die Releasewut der Oldenburger Rapszene war in den letzten Jahren durchaus mau und so kommt der junge Mc, der sich neben seinen Texten auch einem Großteil des Producing und Mixing seiner Schaffenswerke widmet, doch sehr erfrischend daher mit seinem engagierten Streben auch nach Output in Form von Veröffentlichungen.

So befand er sich bereits mitten im Produktionsprozess von diesem Album, als die Geschichte passierte, die Albumtitel, Aufmachung und auch das jüngst erschienende Video (http://www.youtube.com/watch?v=DMax2e8Mck8 ) erklärt, wo ihr alles Relevante erfahren könnt…ein Aspekt, der dem Album eine erhöhte Produktionszeit abverlangte aber auch zu dem „ eigenem Touch“ verhalf, den eigentlich jedes Album braucht um „ besonders zu wirken“. Aber wie gestaltet sich das nun inhaltlich und musikalisch auf den insgesamt 20 Anspielstationen incl Hidden Track und einer runden Stunde Spielzeit? Zunächst sei erwähnt, dass nur ein geringer Teil der Instrumentals auf dem Album schlußendlich von Word Famouz/Stylez Tyson produziert worden sind und für die Beats Namen wie Ceipek, Juizybeatz, Nightro, Andy McCoy, Florian K, StarTripLoopers und weitere eingesetzt wurden und für das schlußendliche Mastering das „ Cubetribe Studio“ aus Oldenburg verantwortlich war. Freunde der Abwechslung kommen bei den unterschiedlichen Produzenten durchaus auf ihre Kosten, Freunde von einem „eigenen“ Albumsoundbild logischerweise etwas weniger, aber das sei nur am Rande erwähnt.

Mit einem über 5min langen Introtrack, der sich gewaschen hat, startet die Scheibe. Auf einem sehr gelungenen Pianobeat aus eigener Produktionsstätte bringt Tyson tempovariierend und flowtechnisch sehr interessant inhaltlich vieles zur Sprache, was ihm und auch vielen anderen auf den „ Lippen“ liegt. Den Song durfte ich freundlicherweise bei NorrisRadio-SOT vorstellen und seitdem gehört er wirklich zu meinen persönlichen Oldenburger Favoriten, ohne zu dick auftragen zu wollen…definitiv eine hohe Messlatte, die auf Albumlänge kaum zu halten ist…Danach wird dann in verschiedenen Stilen rumprobiert, was mal besser gelingt wie ich finde wie im Beispiel des Titeltracks „ Abgebrannt“ und mal weniger gut wie im für mich schwächsten Albumtrack „ Achterbahn“ wo mir einfach der Beat wenig gibt.

Man muß aber positiv feststellen, dass mir viele Tracks inhaltlich und von der atmosphärischen Umsetzung gefallen, auch wenn sie nicht immer meinem Soundbild entsprechen wie im Falle „ Nachts“ oder „ Spiegel meiner Seele“. Tyson schafft es, zu unterhalten und ohne Verwendung plumpagressiver oder hochgestochen intelligent wirkend wollender Sprache einfach „ viele“ zu symbolisieren und anzusprechen.Die Features in Form von Macentosh, Ceipek und auch mir selber, wurden eher auf den „ ursprünglich klingenden“ Raptracks platziert, wie dem fast schon kultigen „ Super Suff“ von Ceipek und Tys. Ein Aspekt, den ich sehr schätze, denn so bleibt mehr Entfaltungsspielraum für Tyson auf dem von ihm gewollten „ abwechslungsreichen“ Soundbild.

Gesamt gesehen muß man das erste Album des Oldenburger Rappers definitiv gehört haben und das sage ich nicht nur aus Gründen gemeinschaftlicher Zusammenarbeit und Freundschaft sondern vor allem, weil es so ist. Ich betone, dass Leute mit straighten „ HipHop“ Geschmack genauso wenig durchweg glücklich sein werden wie Frauen, die immer noch „ Clueso“ feiern aber daraus folgt, dass für alle was dabei ist…die meisten Beats zwischen „ ok“ und „ wirklich gut“ liegen, die besten Beatproduktionen von Tyson selber kommen in Form seines Produktionskürzel Word Famouz und Oldenburg sich glücklich schätzen kann, dass jemand die Eier hat, auf eigenes Risiko zu investieren, seinen Traum straight zu folgen und an seinem Status zu pfeilen. In diesem Sinne:

SnotchPoints_8

 

THE LOX, We are the streets

Im März 2000 begannen meine Dudes und ich damals mit der Muckesache. Ca 3 Jahre vorher begann ich mit dem Hören von HipHop ausschließlich und die erste Zeit war sehr durch dunklen East Coast Sound geprägt wie von Mobb Deep, Nas und Wu-Tang. Nach einiger Zeit begann ich dann, mich mit dem damaigen Geschehen hierzulande zu beschäftigen und obwohl einiges tight war, traf deutscher Rap schon damals nicht wirklich meinen Geschmack was ein Aspekt war, selbst mit der Sache anzufangen und bis heute größtenteils so geblieben ist.

Trotzdem suchte ich gerade zu Beginn ein Mittelding aus dem teils aufgesetzt fröhlichen Rap aus Hamburg und den dann doch etwas teils hart deprimierenden und nachdenklichen East Coast Rap aus NY und weil mich damals die Mucke der Westküste größtenteils trotz mehrfacher großzügiger Versuche doch eher kaltließ( Fans von Dre und Co mögen es mir verzeihen) stieß ich irgendwann auf diesen Producer…den, der immer so partylastige Beats für DMX bastelte und der schon vor der großen Timbaland/Neptunes Welle mit Synthies rumexperementierte und dafür von vielen Seiten Verachtung erfuhr…diesen SwizzBeats…und DMX war mir häufig zu rabiat und gewollt aggro, da kommen “ The Lox“…Jadakiss, Styles P & Sheek Louch…ein Trio, welches vorher bei Bad Boy Records unter Sean Puff P. Diddy Combs eher ein unglückliches Zuhause erfahren hat, ins Spiel. Ich kannte im Vorfeld das von Primo produzierte Überteil „Recognize“ und kaufte die Scheibe blind, wofür ich dann teils strafende Blicke meiner Dudes erntete.

Das zweite Album von The Lox ist mit dem Vorgänger “ Money, power & respect“ nur insofern zu vergleichen, als das die simple “ Street Attitude“ aufrecht gehalten worden ist und die 3 hauptsächlich über Kriminalitäten in Bezug auf den Gebrauch von Schußwaffen und die Einnahme verbotener Substanzen sprechen…dieses machen sie allerdings auf einem entspannten und höchstgradig gut geflowten Level, dass einem als Rapper an vielen Stellen trotz der schlappen Inhalte das Herz aufgeht. Dazu versprühen die 3 eine teils geniale Teamharmonie indem sie sich gegenseitig backuppen, schnelle kurze Parts machen und so einfach überraschen. Jadakiss sticht zwar an vielen Stellen schon positiv raus, die Anderen fallen aber anders ausgedrückt nur selten wirklich ab und sorgen gerade durch ihre unterschiedlichen Stimmlagen für sehr große Abwechslung…häufig ist es der Moment, wo man sich denkt “ moa…war jetzt kein lyrisches Feuerwerk…switch mal“ und schon kommt der nächste Rapper und man rollt neu auf…das macht den Rapteil insgesamt wirklich hörenswert

Nun zu den Beats…es ist schon obskur, dass Swizz Beats aus meiner Sicht in erster Linie gehated wurde für seine Arbeit, auf der basierend dann er und Andere Millioneneinnahmen erzielen konnten. Das macht die Arbeit selbstverständlich nicht besser, ich seh ihn aber schon als eine Initialfaktor für die darauffolgende Club Synthierap Ära und das kann man natürlich positiv aber auch gerne negativ finden…die Beats auf dieser Scheibe sind aus meiner Sicht hervorragend. Klar haben Primo mit “ recognize“ und Timbaland mit “ Ryde or die bitch“ 2 absolute Anspieltipps und Burner der Scheibe produziert…Swizz sorgt aber für den grundsätzlichen Albumklang und der ist seiner Zeit damals absolut vorraus gewesen. Klar hauen die Drums eher selten rein und die Synthies sind laut und teils fast schrill aber genau das macht häufig den Charme dieser Scheibe aus. “ Fuck you“, “ Breathe easy“, “ Ya`ll fucked up“ usw und sofort sind einfach nur Banger und die reihen sich Stück für Stück an diese Scheibe. Ausproduziert bis ins letzte Detail und gesamt gesehen sehr erfrischend damals wie heute für meine Ohren.

Gesamt gesehen kann ich nicht viel negatives an der Scheibe finden…klar zeigen die 3 nicht viel Inneres von sich und wenn man Swizz Beats nicht mag, zieht das alles gleich mindestens 3 Punkte runter. Ich für meinen Teil denke mir, dass alle Beteiligten( auch die Features wie Eve & Drag-On, die ich nun wirklich niemals echt gefeiert hab) hier einen sehr guten Job gemacht haben und dies auf ABstand immer das stärkste Lox Album bleiben wird, leider… Das sind dann:

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U-God, Keynote Speaker

Die Rolle von U-God ist von Anfang an eine sehr undankbare gewesen. In vielen Foren und mit Sicherheit auch realen Diskussionen wurde er von Anfang an als schwächstes Mitglied des Wu Tang Clans eingestuft. Bis auf einen Hammerpart beim “ Mystery of chessboxin“ fiel er eigentlich nie wirklich groß ( positiv) auf.

Und obwohl ich das erste Soloalbum “ Golden arms redemption“ damals durchaus feiern konnte, weil mir seine Lyrics halt mal scheissegal waren und ich seine rumpelnden Flows cool fand, merkte man bereits bei dem Album den aufkommenden Frust bei U-God auch wegen oben erwähnten Sachverhalts. Das Album bekam generell eher negative Publicity und so sank die Förderung von U-God seitens des Clans bei seinen weiteren Projekten. Dies kritisierte U-God selber auch zunehmend und so wirkte es schon fast trotzig, dass er Jahr für Jahr mit neuen Soloscheiben um die Ecke kam, die immer wenig “ Wu-Tang beeinflusst“ waren, dadurch aber auch immer weniger Beachtung und Gehör fanden bis zu dem Punkt, wo ich selber auch ein neues “ U-God“ Release getrost ignorieren konnte.

Ghostface Killah & Adrian Younge und wohl auch Raekwon sei Dank hat der Wu-Tang Clan 2013 eine Art Minirenaissance und nach dem starken Release von Ghost schafft dies einen ganz neuen Sinn für ein neues U-God Album und auch erhöhtes Interesse darauf. So sind sowohl mit Adrian Younge wie auch Rza, Mathematics und Bronze Nazareth die Producer drauf, die man hören will…mit Gza, Method Man und Inspectah Deck gute Features aus dem Clan und mit Styles P, Kool Keith sowie Elzhi auch recht interessante Features von außen mit im Boot. Die Scheibe hat dadurch den dunklen Flavour, den U-Gods Stimme auch benötigt und der sich, von wenigen Ausnahmen eingeschlossen, auf der ganzen Scheibe befindet.

U-God hat auch in 2013 das Songwriting nicht neu erfunden und geht auf einigen Featuretracks deutlich unter, was definitiv ein fetter Minuspunkt auf einem Soloalbum darstellt. Er legt zwar keinen Wert auf tiefschürfende Inhalte aber teilweise ist das Ganze dann doch zu hölzern und nichtssagend, was durch den eigentlich positiv zu bewertenden Rumpelflow an einigen Stellen verstärkt dargestellt wird. Dazu kommt negativ, dass die dunklen Beats teilweise sehr eintönig daherkommen…allerdings sind durch die recht kurzen Songlängen die “ Nervmomente“ noch in Grenze. “ Fire“, “ Get mine“ und “ Mt Everest“ würde ich als Anspieltipps nennen.

Gesamt gesehen denke ich, dass hiermit U-Gods Zenit erreicht ist. Ein weiteres Album auf der Ebene kann man vielleicht erwarten, Schritte nach oben eher nicht. Ein wirklich starker Rapper ist er nicht, aber Konzept und Vielfalt sowie auch die geschmacksabhängige dunkle Wu-Aura machen das Album schon hörenswert. Das Ganze reicht für:

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